
Die erste Verliebtheit hat die letzten Jahre überdauert und nun zum neuen Album der fünfköpfigen Band aus Hamburg beigetragen. Mit „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, das ab 1.10. in den Plattenläden erhältlich ist, besiegelt die Band ihre Zusammenarbeit und begeistert einmal mehr mit metaphorischen, ja nahezu poetischen Texten. Also. Lauscher auf und reinhören beziehungsweise –lesen...
War euch schon immer klar, dass ihr Musik machen wollt, oder hat sich das zufällig ergeben?
Meine erste richtige Begegnung mit der Musik hatte ich mit fünf Jahren. Generell war ich schon immer viel von Musik umgeben, weil mein Vater sehr viel Musik gehört hat. Mit 15 habe ich dann ein bisschen Akustikgitarre gespielt und ein Jahr später, als ich zum ersten Mal eine E-Gitarre in der Hand hielt, war klar: Das will ich sein, das will ich machen! Bei den anderen war es ähnlich: Jan (Gesang und Text) hatte seine erste Band schon mit neun.
Seht ihr euere „Einzel-Karrieren“ und die Zusammenarbeit in der Band als gleichwertig an? Oder macht euch das eine oder das andere mehr Spaß?
Für uns ist beides wichtig. Früher war das grundlegende Problem, dass es Jahre lang nur Selig gab. Das hat uns umgebracht! Deswegen ist es gut, dass während der Trennung jeder sein Zeug machen konnte, denn es ist wichtig, sein eigenes Ding durchzuziehen. Trotzdem ist Selig für alle das Hauptding.
Sänger und Texter Jan Plewka bezeichnet das neue Album als „das Seligste aller Selig-Alben, die Essenz aus allem bisherigen Schaffen.“ Was macht denn das Album so besonders?
Unsere Alben sind immer Zustandsbeschreibungen. Das vierte Album war zum Beispiel: “Hurra, wir sind wieder da!“ Das jetzige Album spiegelt eine gewisse Tiefe und Sicherheit wieder, die wir durch das letzte gemeinsame Jahr gewonnen haben. Insofern sind wir weiter gekommen. Im Bezug auf das selbst Produzieren könnte man natürlich kritisch sagen, wir würden „in der eigenen Suppe kochen“, aber vielleicht ist das ja gerade das Gute. Man kann sagen, unsere Musik hat die erste Verliebtheit überstanden...
...und nun seid ihr sozusagen in einer sicheren Beziehung.
Der Song „5000 Meilen“ spielt ja auf die Reisen und Touren der Gruppe an. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das euch zu diesem Song inspiriert hat?
Der Song beruht auf der Gesamtheit der letzten Jahre. Es gab jedoch ein besonderes Erlebnis bei der Rheinkultur in Bonn: Wir sind vor angeblich 180 000 Leuten aufgetreten, es war Nacht und hatte Vollmond und wir haben „Ohne dich“ gespielt. Das Publikum hat mitgesungen und du hast dir gedacht: Vor einem Jahr war es noch unvorstellbar, wieder mit Selig auf der Bühne zu stehen und jetzt das!
Eure Texte sind ja sehr kreativ und bildhaft: Wie kommt ihr auf Metaphern wie „das rote Sofa Eifersucht“ in „Wirklich gute Zeit“?
Unser Texter Jan nimmt sehr viel wahr, er ist wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Als ich ihn kennen gelernt habe, hab ich mir gedacht: Endlich deutsche Texte, die ich mag! Er hat einfach eine besondere Gabe, Dinge zu umschreiben, was wohl daran liegt, dass er sehr empfindsam ist.
Wie schätzt ihr eure Chancen gegenüber Bands wie „Ich + Ich“ oder „Blumentopf“ beim Bundesvision Songcontest 2010 am 1. Oktober ein?
Ich glaube, Unheilig gewinnt! Wir hoffen, unter die ersten fünf zu kommen. Der letzte Platz wäre natürlich schade! Aber eigentlich geht es uns nicht um eine gute Platzierung. Unser Ziel ist es, eine gute Performance hinzulegen und einen schönen Abend zu haben.
Im Hinblick auf eure Deutschlandtour Ende 2010: Was ist euch lieber? Ein Publikum wie in Berlin oder Frankfurt oder ein eher kleineres Publikum wie am 27.11. in Würzburg?
Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ein kleineres Konzert ist intimer, man hat mehr Nähe zu den Menschen. Bei einem großen Publikum erlebt man eine Wucht, wenn 4000 Menschen vor einem stehen. Wir mögen beides, Es kommt nicht auf die Größe des Publikums an sondern es hängt von einem selbst und von den Zuschauern ab. Wichtig ist, ein gutes Konzert zu machen und die Leute zu erreichen. Wir von Selig sind immer sehr froh, live zu performen und nehmen jedes Konzert ernst.
Was wollt ihr mit eurer Musik noch gerne erreichen? Habt ihr bestimmte Ziele oder Vorstellungen?
Wir haben ja 2009 bei Rock am Ring auf der Hauptbühne gespielt, wer weiß, vielleicht klappt das nächstes Jahr wieder. Jan hat neulich was Schönes gesagt: Stellt euch vor, wir sitzen in zehn Jahren alle zusammen mit unseren Familien auf einer Skihütte in der Schweiz beim Abendessen. Das wäre so das große Ziel! Natürlich wollen wir noch ganz viele Platten produzieren! Ansonsten ist es immer wichtig, sich selbst treu zu bleiben und gute Musik zu machen! Uns geht es gerade echt gut, ich bin sehr dankbar dafür, wie alles läuft!
Interview: Jessica Küth
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