
FRIZZ Das Magazin hat mit dem Geschäftsführer der s.Oliver Baskets, Jochen Bähr, gesprochen...
Es ist vollbracht. Drei Jahre waren angedacht – wir haben es in einem geschafft. Die Korbjäger unserer schönen Stadt sind in der Beko BBL angekommen und haben Ziele. Ziele die nicht unerreichbar sind. Was sich in der ersten Liga ändert und wie fit Würzburg, sein Team und die Halle ist, hat FRIZZ nachgefragt...
Was ändert sich von der zweiten in die erste Liga?
So gut wie alles. Es ist nicht mit einander vergleichbar. Wir haben schon seit Jahren das „Problem“, dass wir uns jedes Jahr an eine neue Liga gewöhnen müssen – und die Ansprüche steigen natürlich stetig. In der Beko BBL ist das eine ganz andere Hausnummer als in der Pro A. Es sind zum Teil Kleinigkeiten, wie eine Pressekonferenz nach jedem Spiel, eine Stunde nach Abpfiff einen Spielbericht mit zehn Bildern losschicken und ähnlichem. Aber es gibt auch größere Auflagen, wie die Halle. Diese muss offiziell abgenommen werden und wesendlich höheren Standards entsprechen. Es gilt seitenweise Anforderungen zu erfüllen, denn die Liga hat sich den letzten Jahren extrem verprofessionalisiert – was und alle freut.
Benötigt man einen anderen Etat, haben wir alle Bestimmungen und Auflagen erfüllt?
Es gibt natürlich einen Mindest-Etat, von einer Million Euro, den man nachweisen muss. Doch damit kann man heute noch keinen Blumentopf kaufen. Bei den Hallen benötigt man unter anderem eine Kapazität von 3000 Zuschauern. Auch hier wartet ein ganzer Katalog an Bestimmungen, den es zu erfüllen gilt. Vip Area, LED-Werbeflächen und und und...
Gibt es auch Änderungen die den Kader betreffen, z.B. die Nationalitäten der Spieler?
In der ProA muss man zwei deutsche Spieler auf dem Feld haben und darf zudem nur Sportler aus gewissen Staaten, wie Kanada oder den USA, verpflichten. In der 1. Liga sind alle Nationalitäten erlaubt – und man muss im Kader, bei 12 Spielern, fünf Deutsche haben.
Wer fällt die Entscheidungen was den Kader angeht? Wer darf z.B. Spieler kaufen?
In erster Linie entscheidet das voll und ganz der Trainer. Dieser bekommt ein festes Budget und kann dieses dem entsprechend einsetzen. In diesem Rahmen finden die Verhandlungen statt.
Ist die s.Oliver Arena Erstliga tauglich?
Wir mussten die Hallenkapazität neu nachweisen. Jetzt dürfen nach aktuellem Stand(art) 3140 Zuschauer in die Halle. Natürlich musste man investieren, um beispielsweise eine Pressebereich und ähnliches einzurichten. Die s.Oliver Arena entspricht den Mindestanforderungen der BBL – aber wirklich nur den Mindestanforderungen, nicht mehr.
Da wir nun in der BBL spielen, kommt sicher ein noch größeres Interesse auf. Wird sich etwas an den Kartenpreisen ändern – und welche Zahn an Dauerkarten wurde bereits verkauft?
Im letzten Jahr hatten wir zu diesem Zeitpunkt 700 Dauerkarten verkauft. Heuer sind es bereits 1300. Schluss mit dem Verkauf machen wir bei 1500 Saisontickets. Zu diesen kommen allerdings noch 250 VIP-Ticket dazu. Die Preise sind klar etwas nach oben gegangen, doch es sind die günstigsten in der Liga.
Wie laufen die Vorbereitungen auf die erste Liga? Sind wir bereit?
Alle Spieler sind bereits angekommen. Das Training läuft und nächste Woche (Stand 19.8.) geht es los mit dem ersten Spiel gegen Japan. Insgesamt kommen 12-15 Testspiele und das Training. Ich denke bis zum Saisonstart sind wir auf jeden Fall gut aufgestellt – und wir freuen uns schon jetzt auf das erste Spiel.
Welche Rolle rechnest du den s.Oliver Baskets ein?
Wir haben sehr viel Wert auf erfahrene Spieler kommen, die sowohl Erfahrung in der 1. Liga, als auch mit einem eventuellen Abstiegskampf haben. Doch ich gehe davon aus, dass das Team gut im Sattel sitzt und wir den Klassenerhalt auf jeden Fall schaffen.
Nachdem das mit der BLL so schnell und so gut geklappt hat. Gibt es einen neuen ‚drei Jahres Plan’?
Im Sport ist immer alles von Geld abhängig. Gestern haben wir einen neuen drei-Jahres-Vertag mit Knauf unterzeichnet und mit Rexroth einen neuen Sponsor an unserer Seite. Der Vertrag mit s.Oliver läuft weitere zwei Jahre, in denen wir „safe“ sind. Alles andere wird sich danach zeigen. Mittelfristig gibt es zwei Ziele: Um die Playoff-Plätze spielen und eine neue Halle. Ohne eine solche wird es in drei Jahren keinen Erstliga-Basketball mehr in Würzburg geben.
Was wäre, wenn wir uns zwei, drei Jahre in der BBL halten. Ist dann mit einer neuen Halle zu rechnen? Gibt es denn schon Pläne für eine neue, moderne Halle?
Aktuell gibt es keine Pläne. Von Seiten der Stadt hieß es ganz klar es gibt kein Geld für ein solches Projekt. Das ist eine Haltung die man akzeptieren muss, egal wie man darüber denkt. Wir haben natürlich unsere Netzwerke, die wir intensiv nutzen werden um den ein oder anderen Investor zu finden. Unsere Aussage ist ganz klar: Wenn sich in den nächsten zwei Jahren nichts in Richtung neuer Halle tut, wird auch die Geschäftsführung der s.Oliver Baskets das Projekt erste Liga nicht weiter verfolgen. Die Standards werden sich erhöhen – und selbst wenn nicht, wir wollen nicht dauerhaft in dieser Arena spielen. Würzburg zeigt sich der Nation auch in Fernsehübertragungen und präsentiert sich so einer Menge Sportfans. Die Halle ist – nebenbei gesagt – auch ein Grund ob und wie viele Spiele im TV übertragen werden.
Gibt es schon einen bestätigten Termin für eine Live-Übertragung?
Ja, das Spiel gegen Bayern am 23.12. wird auf Sport1 zu sehen sein.
Was sind deine Wünsche an die Jungs und den Verein?
Dass wir einen Basketball spielen, der zum Teil an die erste X-Rays Generation erinnert. Weniger taktisch geprägt, sondern aus einer aggressiven Verteidigung in den Fast Break zu gehen. Das ein oder andere Kabinettstückchen sollte auch dabei sein. Schließlich sollen auch die Zuschauer auf ihre Kosten kommen.
Nach der erfolgreichen Handball WM gab es einen großen Zuwachs im Jungendbereich bei den Handballvereinen. Verspürt ihr durch Dirk Nowitzki’s Erfolg und den Aufstieg in die BBL etwas Ähnliches?
Der Basketball in Würzburg verspürt seit Beginn des Baskets Projekts einen stetigen Zuspruch an Jungendlichen, die Interesse haben Basketball zu spielen. Inzwischen sind wir in beiden Jugend Basketball Bundesligen vertreten, haben einen hauptamtlichen Trainer mit Lars Masell und einen Geschäftsführer mit Simon Wagner. Mit Constantin Ebert und Maximilian Ugrai haben wir zudem zwei Nationalspieler unter uns – von daher würde ich sagen es läuft sehr gut. Wir werden in den nächsten Jahren ein Auge auf den Jugendbereich haben und wollen nicht nur die erste Mannschaft weiter voran treiben, sondern vor allem den Basketball an sich – und dazu gehört die Jugendarbeit als ganz wichtiger Teil dazu.
Interview: Max Schmitt
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