
Jung, sportlich, Akademiker und gebürtig aus Sulzbach. Das sind die Eckdaten des Jazz-Kabarettisten Andy Sauerwein. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Leute mit Pianospiel und selbst geschriebenem Liedgut zum Lachen zu bringen. Das schafft er wie kein Zweiter. Neben seinem Soloprogramm moderiert der Kulturpreisträger auch verschiedene Comedyveranstaltungen und zeigt dabei immer wieder sein großes Talent mit dem Publikum zu spielen. Das neue Projekt heißt „Sauerweins Auslese“ und wird am 18.3. im B-Hof Würzburg zu sehen sein. Die neue Art von Comedy-Mix-Show sorgt schon jetzt für eine brodelnde Gerüchteküche. Was genau hinter dem Mythos Andy Sauerwein steckt hat FRIZZ für euch nachgefragt.
Wie bist du zum Kabarett gekommen?
In der fünften Klasse habe ich im Musikunterricht „Die Schulstunde“ von Lars Reichow gehört. Bei diesem Stück spielt er „Für Elise“ in einem unglaublichen Tempo und sagt dabei die verschiedensten Lehrersprüche auf. Das hat mich sehr fasziniert. Zu diesem Zeitpunkt habe ich zwar schon Klavier gespielt, konnte aber nicht begreifen, wie jemand so schnell spielen und gleichzeitig frei reden kann. Von da an war ich ein großer Fan von Lars Reichow und generell „Klavier Kabarett“. Seit meiner Jugend habe ich immer Musik gemacht und bin – nun ja – „am Ball geblieben“. Auch während meines Lehramtsstudiums in Würzburg arbeitete ich nebenher immer an meiner Musik und spielte in verschiedenen Bands. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, dass ich am Klavier immer besser wurde und der Musik nun professioneller nachgehen wollte. Leider haben meine Bandkollegen da nicht mitgezogen – so bin ich quasi zum Soloprojekt geworden (lacht). Dann habe ich angefangen an einem Kabarettprogramm zu basteln. Nach einigen Premieren im Freundeskreis bin ich weit weg gefahren, um vor fremdem Publikum zu spielen. Die Resonanz war durchweg positiv, also habe ich mich voll und ganz auf das Jazz-Kabarett konzentriert. Dank guten Angeboten für Newcomer in Würzburg kam alles ins Rollen und Eins folgte dem Andren.
Wenn ich an Kabarett denke frage ich mich oft, ob man nicht nur dafür, sondern auch davon leben kann?
(lacht) Ich habe gemerkt, dass Kabarettist sein Spaß macht. Zuerst habe ich mir nach meinem Examen vorgenommen, ein Jahr lang hauptberuflich als Kabarettist zu arbeiten. Das Ziel dabei war, nicht nur in Würzburg aufzutreten, sondern Schritt für Schritt auch überregional bekannt zu werden. So habe ich mich noch etwas mehr reingehängt, viel Zeit mit schreiben und planen verbracht und seit drei Jahren läuft es immer besser. Mit der Zeit kommen Angebote auf einen zu und man wächst immer mehr in die Welt rein. Ich habe meinen Traum zum Beruf gemacht. Da ich schon immer Texte geschrieben habe, ist es für mich die ideale Art mich auszuleben. Es macht mir noch immer sehr großen Spaß und momentan kann ich gut davon leben. Solange das so bleibt ist alles prima (lacht).
Ist „Kabarettist“ für dich ein Beruf oder eher eine Berufung?
Bei mir ist es ein wenig von Beidem. Wenn ich meine Steuererklärung machen muss ist es eher „Beruf“ und langweiliger als ein Auftritt. Bei Letzterem denke ich eher an eine Art Berufung. Gerade wenn das Publikum mitsingt und sich gute Laune verbreitet, wachse ich voll in meine Rolle als Entertainer. Mein „Rezept“ ist denke ich der Spaßfaktor. Ich habe einen großen Drang auf die Bühne zu gehen und die Sau raus zu lassen. Seit ich Kabarett mache bin ich privat sehr ausgeglichen und höre oft „du bist doch gar nicht lustig“, wenn ich privat mit jemandem Zeit verbringe.
Wie oft hörst du „erzähl doch mal einen Witz!“ wenn du deinen Beruf verrätst?
Die erste Frage ist meistens „kann man davon leben?“ gefolgt von „muss man dich von irgendwo her kennen?“ – worauf ich gerne etwas antworte wie „nein man muss mich nicht kennen, sonst könnte ich ja davon leben“ (lacht). Aber spätestens dann soll ich einen Witz erzählen. Leider bin ich aber kein Witzerzähler und antworte auch nur „kenne keinen“. Kabarett ist ein Schauspiel, eine Nummer von der Bühne herab, die – gerade bei meinen Stücken – stark mit dem Publikum geht.
Du spielst während deinem Programm am Piano und trägst selbst geschriebene Lieder vor. Dabei gehst du auch auf aktuelle Themen ein. Wie lange benötigst du zum konzipieren deiner Stücke?
Das ist sehr unterschiedlich. Teilweise sitzt man Wochenlang an einem Song und fertigt rund 15 Fassungen bis man halbwegs zufrieden ist. Dann gibt es natürlich auch Titel, die in einer Stunde geschrieben sind. Am meisten Zeit benötige ich für den Text. Ich erstelle zuerst ein Konzept, bringe es dann in Reimform und habe dabei meistens schon eine Melodie im Kopf. Da ich immer an mehreren Liedern gleichzeitig sitze, kann man in etwa zwei Wochen für ein Stück rechnen.
Du spielst auch viele Auftritte in den neuen Bundesländern. Wie unterscheidet sich der Humor von „Ossi“ und „Wessi“?
Zwischen Osten und Westen gibt es sehr große Unterschiede. Was natürlich im ehemaligen Osten nicht gut ankommt, ist abfälliges Gehabe als „Wessi“. Wenn man allerdings etwas über den Westen herzieht, oder sich selbst ein wenig auf die Schippe nimmt und Selbstironie beweist, kommt das sehr gut an. Es stimmt auch, dass die „Wessis“ im Allgemeinen sehr wenig Ahnung von den neuen Bundesländern haben. Das nutze ich gerne für ein paar Jokes am Rande. Bei einem Auftritt in Gera waren nur 15 Leute im Publikum. Als ich dann fragte ob der Rest schon im Westen sei, wurde das gut aufgenommen und niemand war eingeschnappt. Wenn man aber nur versucht alles schlecht zu reden, hat man das Publikum schnell gegen sich. Ich habe beispielsweise ein „Ossi“-Song geschrieben, den ich als „Wessi“ im Osten nicht spielen kann. Mein Programm lebt generell von viel Spontanität und Dialog mit dem Publikum. Das kommt gut an und gerade im Osten hatte ich sehr schöne Auftritte. Man könnte fast sagen, je weiter man gen Osten kommt, desto unbefangener sind die Leute.
Was war dein schlimmstes Erlebnis als Kabarettist?
Einen wirklich schlimmen Auftritt hatte ich zum Glück noch nie. Am Anfang gab es ein paar Startprobleme, bis man weiß wie man auf die Reaktionen des Publikums antworten muss. Einen Saal „leergespielt“ habe ich aber zum Glück noch nie. In Mainz durfte ich vor einiger Zeit einen Raum mit 250 Sitzplätzen auftreten. Leider waren nur vier Personen anwesende, die ich am Anfang nicht einmal gesehen habe. Die zwei Pärchen haben sich dann mit Stühlen direkt neben das Klavier gesetzt und aus geplanten zwei Stunden Standartprogramm wurden mehr als drei Stunden Performance und einer der schönsten Auftritte die ich bis jetzt hatte.
Gefällt dir ein Auftritt in intimerer Atmosphäre besser, oder macht es dir mehr Spaß vor 250 Leuten in ausverkauftem Haus zu spielen?
Finanziell gesehen ist das volle Haus natürlich besser (lacht), aber ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn wenige Zuschauer da sind. Im Moment muss ich jedoch sagen, dass das schon lange nicht mehr vorgekommen ist. Wenn es passiert, thematisiere ich das sofort auf der Bühne und es wird eine eher private Veranstaltung. Dabei ändert sich sehr schnell das Verhältnis vom Publikum zu mir. Es ist weniger steril und oft auch lustiger – und es kann niemand in der großen Masse abtauchen.
Am 18.3. startet deine Mix-Show „Sauerweins Auslese“. Was erwartet uns?
Der Grundgedanke ist, weg von einer konventionellen Comedyshow bei der eine Person moderiert und verschiedene Gäste durch das Programm gescheucht werden. Ich möchte ein neues Konzept ausprobieren, in dem ich als Moderator nicht von der Bühne gehe. Im B-Hof steht ein Sofa, von dem aus auch während den Auftritten meinen Senf dazu gebe (lacht). Eine weiter Besonderheit ist die Auswahl an Gästen. Es werden nicht nur Kabarettisten da sein, sondern auch Künstler, die mit ernsten Texten sehr gut ankommen. Für die erste Show habe ich eine Künstlerin eingeladen, die sowohl kabarettistische Lieder, als auch Balladen zum Besten gibt. Diese Mischung passt normalerweise nicht in eine Comedyshow. Als kleines Schmankerl gibt es einen Künstler aus Nürnberg, der auf beeindruckende Art und Weise Cartoons zeichnen kann. Ich werde mich im Laufe des Abends mit allen Gästen und dem Publikum unterhalten und versuchen den Rahmen einer „normalen“ Comedyshow zu sprengen.
Interview: MAX SCHMITT
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