
So kann es einem passieren, dass man beim wöchentlichen Großeinkauf einem Pärchen begegnet, das in voller Montur eine heiße Sole aufs Parkett – oder die Rolltreppe – legt. Vom Kulturreferent Muchtar Al Ghusain gefördert, ist der „Tanztisch“ eine Vereinigung, die alle Tanzbegeisterten in der Region Würzburgs zusammenführen will. Summa summarum heißt das: Institutionen wie der Tanzspeicher, der Salon 77, die Tanzwerkstatt, das Mainfranken Theater und sogar Schulen aus der Umgebung präsentieren verschiedene Tanzstile. Von HipHop, über Flamenco, bis hin zu zeitgenössischem Tanz und Ballett gibt es einmal Performances, die das Publikum begeistern, zum anderen aber auch Aktionen, die die Zuschauer zum Mitmachen animieren sollen. Proben, Vorträge, Experimente und Improvisation rund um das Thema „Tanz“ werden mit den Anwesenden erarbeitet und ausgelebt. Ein kreativer Pool, der alle Möglichkeiten offen lässt. Begonnen wird am 18. Juli im Mainfrankentheater mit der „Burgen-Gala“. An diesem Montag gibt es Beiträge einiger Ballettensembles der Theater Coburg, Augsburg, Regensburg und Würzburg, mit den freien Tanzinstitutionen Tanzspeicher, Tanzraum und Künstlerinitiative Salon 77 e.V. zu sehen. Während am 19.7. mehrere Schulen der Region im Mainfranken Theater ihr Können unter echten Bühnenbedingungen zeigen, werden am 20.
Juli Würzburgs Kirchen betanzt. In Zusammenarbeit mit „Netzwerk Citykirchenprojekte Würzburg“ wurden in vier Gotteshäusern Tanzvorstellungen organisiert. Das beeindruckende Ambiente unserer Kirchenlandschaft ist wohl der ideale Austragungsort um Emotionen zu transportieren und Menschen nahe zu bringen. Mit von der Partie sind die Johanneskriche, die Karmelitenkirche, das Karmelitenkloster und die Stephanskirche. Tanzimprovisation, zeitgenössischer Tanz, sowie Ballett und Kammerchor-Gesang warten auf die Besucher der Gebetshäuser. Wer sich alle vier Veranstaltungen anschauen möchte, kann dank Kombi-Ticket an einem Kirchenspaziergang teilnehmen, der die einzelnen Orte miteinander verbindet und so von Veranstaltung zu Veranstaltung führt. Am 21. und 22. Juli wird dann die Stadt gestürmt. Ob Rathaus, Einkaufsmeile, Bücherei oder Justizgebäude. Getreu dem Motto „lass dich überraschen“, werden das wohl zwei der spannendsten Tage des „Würzburg Tanzt“ Festivals. Dabei sollen vor allem die Menschen aus ihrem Alltagstrott gerissen werden. Vierschiedene Stile und verschiedene Besetzungen schlagen Donnerstag wie Freitag auf um Passanten zu verzaubern – oder auch zu verwirren. Denn wer erwartet einen Breakdancer, wenn er seine Mittagspause in der Sonne auf dem Marktplatz verbringen möchte? Wer erschrickt nicht kurz, wenn ein Mann eine Treppe hinunter hängt? Wer hält nicht kurz inne, wenn ein Tango-Pärchen die Juliuspromenade hinunter Tanzt? Gerade das freie Lebensgefühl, das seit anbeginn der Zeit durch Tanz ausgedrückt wird, ist in der heutigen Zeit eine Art Spiegel, der uns Menschen vorgehalten wird und in dem wir sehen können – und sollen – dass das Leben mehr ist als Stress und Arbeitswahn. Es warten viele Schmankerl auf alle WürzburgerInnen, bevor es am Samstag zur Abschlussveranstaltung ins Müllheizkraftwerk geht. Das gemeinsame Projekt aller beteiligten Institutionen ist der Höhepunkt des Festivals. Ein „Ball modern“ in einer Lokation, die schräger – jedoch auch passender – nicht sein könnte. Unter dem Motto „jeder darf – keiner muss“ wird sowohl zum Mittanzen, als auch aum Genießen animiert. Die Atmosphäre einfangen, ein freies Lebensgefühl vermitteln und ein gemeinsames Sprachrohr finden. Denn wie Fred Astaire schon sagte: „Tanz ist Esperanto mit dem ganzen Körper“.
Max Schmitt
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