
Sie werden mit ihren 21 Jahren gerne als die „Urväter des Deutschen Hip Hops“ bezeichnet: Smudo, Michi Beck, And.Ypsilon und Thomas D alias Die Fantastischen Vier. 2010 sind sie mit achtem Studioalbum zurück und beehren am 28.11. auch mal wieder Würzburg. FRIZZ das Magazin hat vorab mit Thomas D gesprochen.
Was hat es mit dem Wortspiel-Titel des aktuellen Albums „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ auf sich?
Wir sind als Band 21 Jahre alt, nach internationalem Recht also volljährig, deshalb kann man sich ruhig auch mal siezen lassen, auch wenn wir persönlich immer noch geduzt werden wollen. Das Wortspiel „Fanta Sie“ spricht auch für die Leichtigkeit der Platte und die Durchgeknalltheit der Vier (lacht). Mit dem Cover zusammen einfach eine wunderschöne Kombination!
Wer hatte die Idee zu dem Cover und wer hat es letztendlich gestaltet?
Nachdem wir auf den Titel gekommen sind, dachten wir, wir müssten so ein Heavy-Metal-Zeichentrick-Cover machen wo Andi als Siegfried der Drachentöter gegen einen dreiköpfigen Drachen kämpft, der Smudos, Michis und mein Gesicht hat. Diese Fantasiegeschichte fanden wir kurzzeitig total geil, sind davon aber wieder abgekommen, weil es das schon massig gab und auch nicht ganz unsere Musikrichtung trifft. Das Glück war uns hold, da wir Sasa Zivokvic, einen sehr begnadeten Stuttgarter Zeichner kennen, der mittlerweile auch die Kunst am Computer zu zeichnen beherrscht. Er hat das Cover-Kunstwerk am Computer gezaubert, was uns sehr zugute kam, da wir immer wieder kleine Änderungen machen konnten. Es ist voll mit versteckten Hinweisen, kleinen Rätseln und persönlichen Items von uns selber. Zusammen mit dem sehr langen Titel fanden wir auch so ein optisch fast überladenes Cover sehr passend.
Wenn man sich das Cover genauer anschaut, entdeckt man vier weibliche Wesen und sieben Zwerge. Was hat es damit auf sich?
Die vier Grazien, wie wir sie freundlicherweise nennen, sind vermutlich unsere Frauen und somit könnten die sieben Zwerge unsere Kinder darstellen. Man könnte natürlich auch sagen, dass die Grazien unsere weiblichen Seiten darstellen oder auch die vier Jahreszeiten (lacht). Und die sieben Zwerge könnten auch von Schneewittchen entflohen sein. Aber es sind wohl unsere besseren Hälften und unsere Kleinen.
Ihr seid auf dem Cover als kleine Jungs zu sehen. Habt ihr Angst vor dem Älterwerden?
Wir werden ja nicht älter, wir werden ja nur geiler (lacht). Also Angst haben wir davor nicht. Wir haben eher Angst vor der Frage, weil sie uns des öfteren gestellt wurde und wir daraufhin natürlich anfangen darüber zu sinieren. Wir sind die Ältesten in diesem Genre, zumindest im deutschsprachigen Raum, also wächst der Hip Hop mit uns. Erst wenn wir sagen, dass wir zu alt sind, haben wir die Grenze erreicht. Aber solange wir authentisch bleiben und Musik machen, die wir geil finden besteht da keine Gefahr. Aber wir kokettieren natürlich damit. So sind wir bei der 1LIVE Krone für unser Lebenswerk ausgezeichnet worden und daraufhin als Opas aufgetreten. Es ist aber noch nicht an der Zeit für uns in den Ruhestand zu treten...
Wenn du dir die momentane Deutsch Hip Hop-Szene anschaust, gibt es da jemand der deiner Meinung nach stilprägend ist oder der evtl. sogar den Titel „Nachfolger der Fantastischen Vier“ verdient hätte?
Ich weiß gar nicht ob das ein Verdienst wäre unsere Nachfolge anzutreten. Das würde ja heißen, dass man nichts Eigenes geschaffen hat. Es gibt viele junge Talente. Ob jemand in diesem Genre noch mal so groß wird wie wir, ist eine interessante Frage. Wenn man auf die anderen Genres schaut wie zum Beispiel auf Die Hosen im Punkrock-Genre, da kam niemand nach. Auch die Ärzte sind allein auf weiter Flur. Es scheint als wäre der Markt immer groß genug für einen, der das Genre manchmal eröffnet aber auf jeden Fall ausfüllt. In unserem Genre finde ich als jüngstes Beispiel Marteria sehr interessant, den wir auch als Support für unsere Tour haben gewinnen können. Die Blumentöpfe sind auch so etwas wie unsere Ziehkinder. Blumio und Casper finde ich auch sehr geil. Die sind was für Leute, die angenehmere Inhalte als „Fotze“ und „Opfer“ hören wollen und endlich mal weg von diesem Gangsta-Rap hin zu guter Musik führen. Die Aggro Berlin-Nummer höre ich nicht, dass ich nicht mein Fall.
Du bist ja gebürtiger Stuttgarter. Wie ist deine Meinung zu dem Bauvorhaben „Stuttgart 21“?
Was da vor einigen Wochen passiert ist, ist wahnsinnig schlimm. Diese Eskalationen haben vielleicht in Berlin oder in Hamburg eine Art Tradition, aber Stuttgart hat so was nie erlebt. Das ist erschreckend und gleichzeitig auch ein grobes Fehlverhalten. Das kann ich weder verstehen noch akzeptieren. Dass Leute für ihre Meinung auf die Straße gehen, finde ich gut und wichtig, so spüren die Politiker auch mal, dass die Leute nicht mit allem einfach so einverstanden sind. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen sich das merken und dass es sich im März bei den nächsten Wahlen bemerkbar macht. Wir als Band halten uns da raus, aber persönlich sind wir sehr politisch.
Verspürt ihr denn noch so etwas wie Nervosität vor euren Auftritten?
Nervosität nicht mehr, aber wir sind sehr gespannt wie unsere neue Show ankommt. Wir spielen zum ersten Mal auf einer Rundbühne, das hatten wir noch nie. Die alte Nummer, die wir seit über 20 Jahren darbieten, reicht nicht mehr um uns zu kicken und irgendwann merken das auch die Fans. Mit der neuen Rundbühne kommt wieder Bewegung, Zug und neue Energie rein. Auf Tour sein ist geil, wir freuen uns alle sehr auf unseren gemeinsamen Ausflug, das ist so ein bisschen wie Urlaub mit allen Familienvätern. Einen Monat weg von zuhause zu sein tut gleichzeitig auch weh, aber that ´s our job.
Im TV-Sport für „Wii Party“ treten ihr als die „Los Aeros Fantos“ auf. Wie kam es dazu und zockt ihr auch privat gerne?
Wir wollten eigentlich schon immer mal bei „Stars in der Manege“ als Kanonenmänner bzw. als Trapezkünstler auftreten. Als ganz große Artisten, die sich in alles stürzen, was kein Netz hat und vor allem keinen doppelten Boden (lacht). Da haben wir die einmalige Chance ergriffen. Wir spielen in unserer Freizeit sehr gerne Videospiele, somit hatten wir auch kein Problem damit es vor der Kamera zu tun. Die Idee, dass die Fantas in ihren Zipper-Hoodies und ihren Baggyjeans irgendwo rumhängen, fanden wir jedoch langweilig. Daher haben wir das Ganze aufgewertet indem wir glitzernde „Elvis Presley meets Evel Knievel-Kostüme“ tragen (lacht).
Auf dem letzten Song des Albums fragt ihr: „Was wollen wir noch mehr“? Wie lautet die Antwort darauf?
Gesundheit und ein langes Leben (lacht). „Was wollen wir noch mehr“ ist wohl eine berechtigte Frage. Solange das Publikum „Zugabe“ ruft kann man eigentlich nicht mehr wollen. Das Schönste was es gibt – die Leute hungrig und sehr glücklich nach einem Zwei-Stunden-Konzert nach Hause zu schicken.
Sind in der Modernen Anstalt Rigoroser Spacker (M.A.R.S.) noch Zimmer frei?
Ich muss gestehen wir haben einen Einzugsstopp. Die Moderne Anstalt Rigoroser Spacker wandelt sich langsam zu einem Zuhause, nämlich zu meinem Zuhause. Deshalb ziehen momentan eher Leute ein als aus (lacht).
Wie geht es mit Thomas D solo weiter?
Thomas D plant Wundervolles. Demnächst wird es Hinweise im Netz darauf geben und nächstes Frühjahr ist es dann auch schon wieder soweit aber bis dahin muss ich mich bedeckt halten. 2010 steht im Zeichen der Fantas.
Interview: Katharina Försch
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