
Der Film von Ciro Cappellari - „Francesco und der Papst“ - erzählt die Geschichte eines elfjährigen Jungen, dessen größter Traum es ist, einmal als Solist vor dem Papst zu singen. Auf den ersten Blick ist Francesco ein ganz normaler Jugendlicher, der mit seiner Familie in Rom lebt. Er ist begeisterter Pfadfinder, spielt gerne Fußball und singt im Knabenchor „Pueri Cantores“. Der Dokumentarfilm zeigt den Weg des Elfjährigen und die Probleme zwischen „cool sein“ und im Knabenchor singen. Ein nie da gewesener Einblick in die Katholische Kirche, über den Papst, den Chor der Sixtinischen Kapelle und den Vatikan zeigt der Film nach einer Idee von Peter Weckert. Es sind die Eindrücke über Benedikt XVI aus der Sicht des Elfjährigen, die diesen Film so besonders und Papst so nahbar machen. Deutschlandweit läuft „Francesco und der Papst“ in 60 Kinos – und ist selbst verständlich auch in unserer schönen Domstadt vertreten. Ab Grün Donnerstag, 21.4., ist der Film sowohl im Cinemaxx als auch im Cineworld zu sehen. FRIZZ Das Magazin hat vorab mit dem Produzent Peter Weckert gesprochen...
Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film über diese Thematik aus der Sicht eines 11-jährigen Jungen zu drehen?
Die Idee kam mir in einem Traum. 2005 bin ich eines Morgens aufgewacht und wusste, dass ich einen Film über den Papst machen muss. Danach war ich auf den Philippinen und habe dort zufällig einen Filmjournalisten aus dem Vatikan getroffen. Dieser hat für mich die ersten Kontakte zum Vatikan geknüpft. Dank ihm habe ich Verbindung mit mehreren Kardinälen und dem Pressechef des Vatikans herstellen können. Als der Stein langsam ins Rollen geriet, konnte ich Oliver Berben als Co-Produzent gewinnen und mit ihm nach Rom reisen. Nach 2-3 Jahren hatten wir alle Genehmigungen zusammen und durften gemeinsam mit dem ausführenden Produzenten Norbert Preuss (FANES Film) loslegen. Das besondere dabei war unser Ziel, die Thematik aus der Sicht eines Elfjährigen aufzuarbeiten. Der Chorgesang, bzw. die Musik ist eines der wichtigsten liturgischen Mittel innerhalb der Heiligen Eucharistie und bietet einen idealen Einstieg in den facettenreichen Komplex „Katholische Kirche“. Durch den Bezug auf Francesco, hatten wir die Möglichkeit den Film aus einer modernen Perspektive zu drehen, in die sie jeder hineinversetzen kann. Francesco ist genauso mit Alltagsproblemen konfrontiert wie jeder von uns. Er geht zur Schule, spielt Fußball, hat Freunde – und singt eben im Knabenchor. Wir haben uns als Leitfaden den Traum des Jungen ausgesucht, einmal vor dem Papst zu singen. Auf der anderen Seite steht das ganz normale Leben Benedikts XVI. Wie arbeitet er – wie lebt er – wie ist er als Mensch. So hat sich während den Dreharbeiten sowohl mein einstiger Traum als auch der Traum Francecos Stück für Stück manifestiert.
Du hast im Zuge des Films viel Zeit im Vatikan verbracht. Wie war diese Zeitspanne für dich? Welche Eindrücke hast du mitgenommen?
Alleine die Zeit an der Seite des Papstes war sehr eindrucksvoll. Wir haben durch die Reisen und den Alltag des Oberhaupts der Katholischen Kirche viele Einblicke bekommen und festgehalten, die den Papst in einem anderen Licht darstellen bzw. zeigen. Das war für mich sehr bewegend und hat auch meinen Glauben gefestigt. Der Blick über die Leonischen Mauern zeigt einem Situationen auf, die dem öffentlichen Auge normal nicht zugänglich sind. So durften wir beispielsweise das Prozedere vor und nach der Privataudienz mit Prinz Albert von Monaco filmen. Das war keine „normale“ Audienz, bei der Pilgergruppen oder Prominente in der ersten Reihe sitzen und der Papst kurz die Hände schüttelt. Die „richtigen“ Privataudienzen im Apostolischen Palast sind nur für gekrönte Häupter und Staatspräsidenten. Zudem muss man bedenken, dass wir in Jahrhunderte alten Gebäuden waren, die prunkvoller und eindrucksvoller nicht sein könnten. Es ist Zeitgeschichte zum Anfassen – und wir waren mitten drin. Wir durften die Schatzkammer des Papstes besichtigen, die Sakristei in der sich der neu gewählte Papst umzieht betreten und viele Säle begutachten, die einem den Eindruck vermitteln, man stünde in zehn Museen gleichzeitig. Zusammen mit dem Regisseur Ciro Cappellari war ich auf dem Papstflugzeug akkreditiert und durfte so 2009 den Papst auf seinen Reisen nach Kamerun, Angola, Israel und Jordanien begleiten. Eine Woche lang waren wir Teil des „Papsttrosses“, was außergewöhnliche Aufnahmen zu Stande kommen lies, die den Papst in einer privaten und „menschlichen“ Atmosphäre zeigen, wie man ihn bisher selten – oder noch nie – gesehen hat. Das und vieles mehr hat mich sehr gefesselt.
Du musstest dich vor dem Film intensiven Recherchearbeiten widmen. Wie bist du dabei vorgegangen? Gab es Probleme an gewissen Stellen?
Als ich mit Oliver in Rom war, haben wir viele Gespräche mit entsprechenden Verantwortlichen geführt. Es gab nicht wirklich Probleme, aber viele bürokratische Hürden. Genehmigungen über Anträge und noch mehr Genehmigungen. Man muss bei jeder „Aktion“ die Schweizer Garde und die Gendarmerie mit einbinden, was ebenfalls organisatorischen Aufwand und gutes Zeitmanagement bedeutet. Als ich 2007 das erste Mal beim Privatsekretär des Papstes im Apostolischen Palast war, habe ihm von der Idee erzählt. 2008 hatten wir dann alle Genehmigungen zusammen. Mit Ciro, der aus einer alten Papstfamilie stammt, hatte ich natürlich den idealen Kompagnon an meiner Seite. Selbstverständlich kann man nicht einfach mit einem Regisseur und komplettem Filmteam in den Vatikan reisen und sagen „los geht’s“.
2009 gingen dann die Dreharbeiten zu „Francesco und der Papst“ los.
In wie fern treffen Francescos Probleme allgemein auf die heutige Jugend zu? Kann man „cool“ sein und in einem Knabenchor singen?
Absolut. Das wird auch sehr gut deutlich in dem Film. Die eine Seite ist das „Privatleben“ Francescos und seiner Familie, die andere der aufstrebende Chorknabe. Wir haben ganz bewusst seinen Alltag, das Fußballspielen, in die Schule fahren und seine Freizeitaktivitäten festgehalten um zu zeigen, dass Francesco exemplarisch für alle Jugendlichen stehen kann. Er hat ganz normale Probleme von Jugendlichen und muss diese auch auf ganz normalem Weg lösen. Zudem ist er aber auch begeisterter Sänger und möchte unbedingt das Solo vor dem Heiligen Vater singen. Der Film zeigt glaube ich ganz gut wie man durch ein „außergewöhnliches Hobby“ in die Außenseiterrolle geraten kann – aber eben auch, dass man nicht von einem anderen Planeten kommt, wenn man Teil eines Knabenchores ist. Gerade das Gewöhnliche macht das Besondere in diesem Film aus.
In deinem Film steckt indirekt auch Kritik an der Gesellschaft und dem heutigen schnelllebigen Zeitalter. Vereinen, Chören und sämtlichen anderen Jugendorganisationen läuft der Nachwuchs weg. Hast du eine Idee, wie man diesen Vorgang stoppen, oder gar umkehren könnte?
Dazu könnte der Film perfekt beitragen. Genau dieses Thema war auch ein Grund für uns einen KINOfilm über den Papst zu machen – und das aus der Sicht eines Elfjährigen. Es gibt viele Berichte, Fernsehdokumentationen oder Portraits über den Heiligen Vater, aber noch keinen Kinofilm. Letzteres ist das ideale Medium um alle Altersschichten zu erreichen und eben gewisse Themen – neu – aufzuarbeiten. Mit die größte Herausforderung für den Regisseur war es, aus 200 Stunden beeindruckendem Filmmaterial diese 90 Minuten voller Bilder zu scheiden. Ich denke, dass wir gerade über die Musik und den Gregorianen Choral – dem Engelsgesang gleich – jüngeres Publikum erreichen und auch zeigen können, dass ein Chor „cool“ sein kann. Die Musik wird modern aufgearbeitet und klingt im Ambiente des Vatikans noch mal so eindrucksvoll. Es ist nichts schlimmes, sondern wie „Francesco und der Papst“ zeigt, sogar etwas Positives. Vor allem aber kommt es in dem Film gut rüber, welche Probleme man nach wie vor als junger Mensch mit solch einem Hobby bzw. Wunsch hat. Man ist Außenseiter, wird gehänselt und muss sich sogar gegenüber seinen Geschwistern rechtfertigen. Francesco lässt sich aber nicht unterkriegen – und so erreicht er sein Ziel.
Hat sich deine Meinung zur Katholischen Kirche durch die Dreharbeiten zu „Francesco und der Papst“ verändert?
Natürlich ist es etwas besonderes so nah am Papst zu sein. Das hat meinen Glauben nochmals gefestigt und man beginnt viel nach zu denken. Durch tiefe Einblicke in die Materie und das Prozedere ist man sofort gebannt – das hat meinen Glauben an Gott noch weiter gestärkt.
Interview: MAX SCHMITT
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