
Wenn man nach Definitionen eurer Musik sucht, stößt man schnell auf die Begriffe „Oi“, „Punkrock“, „Rockabilly“, aber auch auf Einflüsse aus „Ska“ und „Reggae“. Wie würdest du selbst euren Stil definieren? Seid ihr eine Schublade oder ein Schrank?
(lacht) Ja zu allem – und doch würde ich gerne auf eine Schublade verzichten. Andererseits weiß ich, dass Schubladen wichtig sind, um gewisse Dinge greifbar zu machen, zu verstehen und einsortieren zu können. Wenn es also eine sein muss, wäre es wohl Punkrock. Obendrauf aber jede Menge Folk, Ska, Rockabilly, Pop – all das was du aufgezählt hast. Wenn die Basis Punkrock bleibt, sind wir glücklich.
Beim Musikmachen verarbeitet man viele Eindrücke und Einflüsse des gesamten Lebens. Gibt es jemanden, der dich in deinem künstlerischen Schaffen sehr bewegt hat?
Das stimmt. Anfangs waren das natürlich die Toten Hosen. Mit ihrer Musik haben sie uns den Punkrock vorgestellt. Nicht zu vergessen, eine Band, die uns seit Jahren begleitet: The Clash. Noch heute denken wir uns an Punkten bei denen wir nicht weiter kommen: „Was würde The Clash tun?“ (lacht). Die Jungs – und ihre Musik – sind auf jeden Fall eine große Stütze für uns.
Du schreibst die Texte der Broilers. So phantasievoll, bzw. zum Nachdenken anregend, wie eure Albentitel (Santa Muerte / LoFi / Vanitas) sind auch eure Stücke. Du legst zwar nicht immer eine genaue Intention oder einen Appell in die Songs, lässt deine Hörer aber stets eine Art Erinnerung durchleben. Sind deine Texte autobiografisch?
Erst einmal Danke – und joah. Wenn nicht alles autobiographisch ist, sind es zumindest die Ansätze. Manches muss ich natürlich überspitzen, dass es greifbar wird. Gerade im Bezug auf die Schubladen von eben. Natürlich machen wir keinen Pop, aber Elemente davon findet man auch bei unseren Songs. Ich denke, man muss polarisieren, um Gefühle auszulösen. Generell ist alles sehr stumpf geworden in unserer Welt. Deswegen müssen manche Sachen auf krasse und direkte Art und Weise gesagt werden. Dementsprechend ist die Basis immer etwas, das ich selbst erlebt habe.
Doch die Gefühle sind echt?
Die sind echt – klar. Da kann und will ich nichts erfinden oder übertreiben.
Man findet ab und an politische Botschaften zwischen den Zeilen. Wirklich predigen tust du aber nicht. Wollt ihr die Welt verbessern oder seid ihr Entertainer?
(lacht) Wenn ich das so sagen darf: Das sollen mal Bono und Bob Geldof
machen. Ich freue mich darüber, wenn wir die Leute zum Nachdenken anregen und aus der Lethargie reisen. Man sollte nicht nur vor Playstation und Fernseher sitzen und sich berieseln lassen, sondern selbst den Arsch hoch bekommen.
Auf keinen Fall alles akzeptieren.
Genau! Auf keinen Fall. Man sollte alles hinterfragen. Es kann doch nicht sein, dass andere für einen entscheiden, was richtig oder falsch ist. Das Leben ist viel zu individuell, als dass Alles auf Jeden passen könnte, was so entschieden und bestimmt wird. Das war es auch, was uns am Punkrock so gefesselt hat. Auch wenn es vielleicht unangenehm ist – aufstehen, Arsch bewegen!
Bei welchem Auftritt hattet ihr bisher am meisten Spaß? Gibt es eine Location, die euch besonders am Herzen liegt?
Es fällt immer wieder auf, dass gewisse Städte besonders gut funktionieren. Aber letzten Endes gehen wir immer auf die Bühne und versuchen an einem Abend so viel Spaß wie möglich zu haben. Wenn der Funke dann überspringt, ist alles gut (lacht). Ich würde aber nichts bevorzugen – wir
geben immer Alles.
Gegenfrage: Wo würdet ihr nie wieder auftreten?
(lacht) Nun ja, es gibt auf jeden Fall gewisse Locations, die uns nicht allzu nett behandelt haben. Gerade als wir noch nicht so bekannt waren… Das merken wir uns wie alte Pferde (lacht). Wir sind da im Guten wie im Schlechten sehr nachtragend. Das würde ich aber so nie sagen (lacht).
Ihr seid in den letzten zwei Jahren richtig durchgestartet. Seht ihr euch als Rockstars?
Nee. Dieser Rockstar-Begriff ist eher etwas für kleine Kinder oder Jugendliche. Eine Phantasiegestalt! Umso ekliger und erschreckender ist es ja, wenn es wirklich Bands gibt – und die gibt es – die darauf hinsteuern, den Traum ‚Rockstar’ auszuleben. Nachts mit Sonnenbrille umherlaufen gruselt mich eher. Das ist nichts für uns.
Was seid ihr dann?
Wir nennen uns selbst nicht einmal Musiker – das erschrickt uns. Wir sind jetzt langsam dabei, die Musik als unseren Beruf zu akzeptieren und schimpfen uns fast schon Künstler. Die Leute, die sich selbst ‚Designer’ ‚Musiker’ oder ‚Künstler’ nennen, haben meist einen an der Waffel und sind gescheiterte Existenzen. Wir sind lediglich eine Punkrockband – die viel Glück hatte.
Ihr habt auf jeden Fall viel Spaß bei dem, was ihr tut. Das sieht man bei euren Auftritten. Woher kommt die Energie?
Ich würde meinen, die Antwort ist recht simpel. Wir haben tierisch Bock auf das, was wir machen. Wenn wir merken, dass das Publikum anfangs etwas schwer mitzureisen ist, hängen wir uns erst recht rein und geben noch mehr Gas. Das Konzept ist eigentlich auch einfach: Die Leute bezahlen Geld und wollen entertained werden. Unser Job ist es das hinzubekommen – und bisher haben wir es immer geschafft. Der Tag, an dem uns das nicht gelingt, wird ein sehr schwarzer für die Broilers.
Was würdest du dann machen?
Dann würde ich mich komplett auf‘s Grafikdesign konzentrieren. Das war und ist mein Dayjob. Gäbe es die Musik nicht mehr, würde ich mich da voll reinhängen… Mein Portfolio fertig machen und so weiter.
Wo soll es mit den Broilers noch hingehen? Gibt es ein großes Ziel für euch, das ihr mit eurer Musik erreichen wollt?
Ich würde mich extrem darüber freuen, wenn wir das, was wir tun noch sehr lange machen können. Vor allem noch lange Spaß dabei haben. Ich glaube wir wären schlau genug die Notbremse zu ziehen, wenn aus Spaß Arbeit und Pflicht wird. Das hemmt nur – egal ob auf der Bühne, beim Texten oder Komponieren. Es ging uns immer darum, das Musikmachen und die Gigs zu genießen. Ich hoffe, wir kommen nicht an den Punkt, dass es zur Last wird.
Musik der Musik wegen?
Exakt.
Was erwartet uns am 28.12. in Würzburg?
Das kommt darauf an, wie groß der Club in Würzburg ist.
Es passen ein paar Leute rein…
(lacht) Wir haben ja den ersten Rutsch der Tour abgeschlossen. Im Dezember startet sozusagen Teil II. Das Set wurde etwas erneuert, wir haben neue Lieder am Start – so können auch Fans, die mehrere Konzerte besuchen, etwas Neues hören – und ansonsten genau das, was ich angekündigt habe. Wir versuchen in erster Linie uns selbst Spaß zu machen. Die Leute finden das für gewöhnlich gut. Es ist eine Art positives Schneeballsystem, mit dem wir uns gegenseitig hochschaukeln.
INTERVIEW: Max Schmitt
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