
Klee – ein Glücksymbol. Bei der Kölner Band Klee trifft dies eindeutig zu. Ihre Texte sind enthusiastisch, mitfühlend, herzerweichend und echte Ohrwürmer. Sie singen von Liebe, Geborgenheit und Ausgefülltheit. Ab Mitte Oktober gehen sie auf ihre „Aus lauter Liebe“- Tour durch Deutschland und Österreich. Anfang November sind sie zu Gast in der Posthalle Würzburg. FRIZZ hat vorab mit der Sängerin Suzie Kerstgens gesprochen.
Ihr habt euch 1997 unter dem Namen „Ralley“ gegründet. Wie kam es dazu, dass ihr nach einer Pause 2002 als „Klee“ aufgetaucht seid? Gab es irgendein Ereignis, was euch dazu bewogen hat?
Ja, ein allerdings nicht ganz so schönes Ereignis. Wir hatten einen Autounfall als wir vom Videodreh für „Ralley“ zurückfuhren. Wir waren damals in Paris und Brüssel und London und haben uns leider überschätzt, sind völlig übermüdet von der Fähre runter gefahren, auf die Autobahn und unser Fahrer ist kurz eingeschlafen. Wir haben uns mehrmals überschlagen. Die Jungs hatten schwere körperliche Verletzungen. Es hat eine längere Zeit gebraucht bis alles verheilt war. Die Seele kommt dann erst viel später hinterher, dass merkt man in der ganzen Hektik zuerst nicht.
Und irgendwie konnten wir mit dieser Erfahrung nicht mehr weiter machen wie bisher. Damals kamen auch vermehrt die elektronischen Sounds auf, die wir für uns entdeckt haben. Damit waren wir weiter weg vom Sound von „Ralley“. So ist Klee entstanden: Wir hörten uns anders an und haben uns verändert.
Wie kam es dazu, dass ihr euch Klee genannt habt?
Wir haben überlegt, „Wie hören wir uns jetzt an? Wie und was ist jetzt anders?“ Die Kunst und die Bilder von Paul Klee, fanden wir faszinieren. Er war ja nicht nur Maler, sondern hat u.a. auch wundervolle Gedichte geschrieben. Und wir haben uns ein bisschen angemaßt dass unsere Songs wie die Kunst, die Bilder und die Zeichnungen von Paul Klee, klingen. Da haben wir uns quasi seinen Nachnamen ausgeliehen. Erst später stellten wir fest, dass es eigentlich ein Name ist mit doppelter Bedeutung, da der Klee als Pflanze ja ein Glückssymbol ist. Das passte dann auch ganz gut zu uns und unseren Texten.
Mit eurem aktuellen Album „Aus lauter Liebe“ seid ihr von Platz 0 auf 6 der Albumcharts eingestiegen. Wie erklärt ihr euch das?
Das war für uns auch sehr überraschend. Wir haben Purzelbäume vor Freunde geschlagen, als wir es erfuhren. Wir haben ja auch drei Jahre nichts veröffentlicht. Es war toll zu spüren, dass unsere Fans uns vermisst haben - und uns treu geblieben sind. Sie waren sofort am Start und haben sich die Musik gekauft. Es ist richtig toll! Aber erklären, warum wir jetzt auf Platz 6 eingestiegen sind, kann ich aber auch nicht. Das hat schon etwas Magisches.
Gibt es ein neues Erfolgsgeheimnis, irgendetwas was ihr anders macht?
Wir haben uns bei der Studioarbeit Zeit gelassen und haben viel ausprobiert. Wir haben quasi nach dem Bauchgefühl aufgenommen. Hatten keine bestimmte Strategie, haben alles fließen lassen. Dass wir uns das zugetraut haben, so zu arbeiten, war schon ein Novum. Das haben unsere Lieder und Fans verdient.
Die meisten Texte von euch sind auf Deutsch. Wie kommt es, dass man ab und an auch Texte auf Englisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch bei euch findet?
Wir hatten Spaß daran. Das vorletzte Album wurde auch in Amerika veröffentlicht und da haben wir als Bonus vier Songs auf Englisch gesungen. Es war zum Ausprobieren und aus Spaß.
In China hatten wir Live ein Lied über die Jasminblüte (Mo Li Hua) auf Chinesisch gesungen. Es hat Spaß gemacht auch dieses Lied und die Sprache zu lernen. Ich habe hier in Köln mit einer Chinesischen Akkupunkthurdame geübt. Ich bin hingegangen und hab gefragt, ob sie mir helfen kann. Und wir haben geübt. Sie hat mir auch Ansagen auf Chinesisch beigebracht. In China waren über 30 000 Menschen auf den Konzerten. Ich habe die ersten zwei Worte gesungen und alle sind mit eingestiegen. Das war spannend.
Haben die Chinesischen Fans auch die Lieder auf Deutsch mitgesungen?
Nicht so wirklich (lacht). Man kommt dort auch mit Englisch nicht wirklich weit. Wenn du in ein Taxi steigst und dem Fahrer auf Englisch sagt, wo du hin willst, versteht er dich nicht. Du musst die Adresse in Chinesisch aufgeschrieben dabei haben oder aussprechen können.
Jedoch ist Musik eine universelle Sprache und das kam auf den Konzerten sehr gut rüber. Egal ob du in Russland, China oder Frankreich auf der Bühne stehst.
Ihr habt nicht nur in China gespielt sondern auch in Russland. War in beiden Ländern das Publikum anders als bei uns?
Es war komplett anders. Du merkst eine größere, menschliche und gesunde Neugier. In Russland haben wir in einer Uni gespielt. Deutschstudenten haben das Konzert vorbereitet. Sie haben sich vorab die Sachen im Internet schon anhören können. In China ist das durch die Regierungsform leider nicht möglich, sich Sachen offiziell aus dem Netz zu ziehen oder anzuhören. In Russland geht das, deswegen konnte das Publikum auch mitsingen. Wir haben uns dort nach dem Konzert mit den Leuten unterhalten. Sie kannten z.B. auch Nena, denn in den Clubs dort läuft ihre Musik und andere aktuelle: Remixe von DJs etc... Die Studenten hatten damals gefragt ob ich mit ihnen zusammen „99 Luftballons“ singen kann, habe ich auch gerne gemacht. (lacht)
Was habt ihr von diesen Konzerten emotional mitgenommen? Oder gab es ein Ereignis das euch dort geprägt hat?
Es war diese liebevolle Herzlichkeit der Menschen. Es sind komplett andere Kulturen als die unsere und doch hatten wir immer das Gefühl willkommen zu sein. Die Menschen waren offen, man hatte überhaupt keine Unsicherheit oder Befremdlichkeit. Das vermisse ich manchmal in Deutschland.
Wer oder was inspiriert euch musikalisch und textlich?
Eigentlich das eigene Leben und die Lust daran. Wir schreiben unsere Texte ja alle Autobiographisch. Was wir erlebt haben, unsere innere und die äußere Welt. Das versuchen wir in Einklang zu bringen. Es ist eine große Inspirationsquelle, wie auch die Liebe. Weil der Mensch sich nach Liebe sehnt, verletzt ist, traurig ist. Das spielt alles ins Leben. Natürlich kannst du nicht himmelhoch jauchzen, wenn du nicht auch das ganz schmerzhafte Traurige kennst.
Wie du schon erwähnt hast, ist Liebe ein großes Thema für euch und zieht sich wie ein roter Faden durch all eure Alben. Welchen Stellenwert hat die Liebe für Dich persönlich?
Na ja, unser Album heißt ja „Aus lauter Liebe“. Sie ist das was uns umgibt. Etwas, das ich auch gerne gebe, was ich gerne bekomme. Aus Liebe zu Handeln ist, glaube ich, viel Wertvoller als aus Neid, Argwohn oder sogar aus Hass. Und ich denke, der Mensch ist mehr für die Liebe gemacht als für Aggressionen oder Gewalt. Ich glaube das letzte Wort wird Liebe sein.
Was ist das skurrilste das euch auf euren Touren bisher passiert ist?
Skurril ist es allein schon, mit unserer Musik nach China und Russland zu kommen. Oder als ich früher mit meiner Schwester die Musik von Nena gehört habe und wir mitgesungen haben, dass ich irgendwann als Support vor Nena auf der Bühne stehe. Das ist alles skurril, im Sinne von wunderbar.
Fliegen bei euch auch Schlüpfer?
(lacht) Einen Schlüpfer hatte ich schon mal. Ich habe mir auch mal aus Witz meinen BH auf der Bühne ausgezogen, das war in Österreich. Ich habe ihn unter dem T-Shirt bei einer Instrumentalstelle hervorgeholt und wollte ihn ins Publikum schnippen. Er ist aber auf dem Gitarrenhals des Gitarristen gelandet (lacht) und er hat es anscheinend nicht gesehen und so das halbe Konzert mit meinem BH an der Gitarre gespielt. Vielleicht dachte er aber „Wow, das kam jetzt aus dem Publikum“. (lacht) So was passiert.
Oder: Bei der letzten Tour habe ich mich 3-4 Mal während des Konzertes umgezogen und hatte einen lieben Helfer hinter der Bühne, der mit den Kostümen in der Hand dastand. Es war allerdings ein männlicher Helfer, der sich vielleicht nicht so mit den weiblichen Kleidungsstücken auskannte. Als wir in Hamburg waren, laufe ich hinter die Bühne, ziehe mir mein Kleid aus und er stülpt mir das andere Kleid über. Ich renne wieder auf die Bühne, singe und denke „das sitzt aber komisch“. Jetzt hatte ich das Kleid komplett Falschrum an. Und dieses Kleid hatte ein deutliches Vorne und Hinten. Da musste ich das restliche Konzert irgendwie das Kleid festhalten. (lacht)
Noch eine letzte Frage, was macht ihr denn neben der Musik? Habt ihr irgendwelche Hobbies?
Die Musik ist unser Leben. Dafür Leben wir, es begleitet uns Tag und Nacht, es gibt keinen Feierabend oder ein Wochenende in dem Sinne. Ich gehe selber gerne auf Konzerte oder Festivals. Finde es super auch zu gucken und Fan zu sein. Ich gehe gerne Tanzen, treffe mich mit Freunden, male und zeichne zwischen durch.
© Foto: Jo Jankowski
Interview: Mareike Goldschmied
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