
Sie sind groß im Kommen, ihre Konzerte sind fast durchgehend ausverkauft und sie supporten die ganz Großen der Szene: die Rede ist von I Heart Sharks. Am 3.November war das Trio im Würzburger Cairo zu Gast und FRIZZ hat vor dem Konzert mit den zwei Jungs geplaudert.
Ihr seid drei junge Männer aus allen Teilen Europas – einer aus Bayern, einer aus London, einer aus Amerika. Wie habt ihr euch gefunden und seid zu dem geworden, was ihr jetzt seid?
Pierre: Wir zogen alle vor drei, vier Jahren nach Berlin und hatten alle das gemeinsame Ziel Musik zu machen und da lernten wir uns kennen. Wie waren ganz oft zusammen feiern und das hat uns dann zu „I heart sharks“ gebracht.
Für Leute, die eure Musik nicht kennen: wie würdet ihr euch selbst beschreiben? Was für eine Musik macht ihr?
Pierre: Popmusik, die du in zehn Jahren deinen Kindern zeigen und stolz drauf sein kannst. Aber – um sehr ernst zu sein – es ist natürlich eine Mischung aus deutschen, elektronischen Einflüssen, so diese elektronische Seite, und der britischen, poppigen Art zu schreiben, mit englischen Texten drauf.
Für mich persönlich hört ihr euch an wie Two Door Cinema Club, Foals, Friendly Fires oder Crystal Castles... Ist das für euch eine Ehre mit solchen Bands verglichen zu werden oder stört es euch, weil ihr „euer eigenes Ding“ macht?
Simon: Also wir waren tatsächlich mit Friendly Fires vor kurzer Zeit auf Support-Tour. Wir sind große Fans dieser Band und mögen die Musik sehr! Deswegen ist es immer ok, mit ihnen verglichen zu werden. Und Menschen brauchen das auch, glaub ich, dass sie Bezugspunkte herstellen zu dem, was sie schon kennen und das einfach kurz zu vergleichen um es einordnen zu können. Und wenn man es Schublade nennen mag, dann ist es eine, in der wir uns sehr wohl fühlen.
Pierre: Und das ist natürlich ganz nett, aber Two Door Cinema Club habe ich persönlich nie gehört. ... Aber Friendly Fires ist schon nett..
Weil du, Simon, ja gerade erwähnt hast, dass ihr schon mit relativ großen Namen auf Tour wart... Ist das eher ein undankbarer Slot Vorband zu sein oder doch eine Ehre?
Simon: Tatsächlich hat man auf Konzerten eher zu kämpfen, weil man halt nur die Support-Band ist... Es wird einem quasi erlaubt zu spielen, man hat nen kurzen Soundcheck und so weiter... Aber das ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Erst Recht bei solchen Bands, die wir lieben und es ist super mit ihnen zu spielen und sie persönlich kennen zu lernen und auch vor allem das Publikum kennen zu lernen. Beziehungsweise, dass das Publikum, das sie mitbringen, uns kennen lernt..
Ist es dann leichter vor einem großen Publikum zu spielen oder vor einem kleinen? Was ist euch lieber?
Pierre: Also es geht nicht nur um die Größe des Publikums; es geht mehr darum, ob du in einem leeren Saal spielst, oder einem vollen kleinen. Also es ist furchtbar, in einem großen Saal zu spielen, wo drei Menschen stehen. Wenn du aber die drei Menschen nehmen würdest und sie in dein Zimmer steckst und dort ein Konzert geben würdest, wärs echt fett.
Simon: Digger!
Pierre (lacht)
Um dann mal auf ein etwas anderes Thema zu kommen... Die Indie- und Electro-Szene ist derzeit ziemlich im Kommen und scheint auch ziemlich gehyped zu werden, wie auch die Bands aus diesem Bereich. Stört euch das, oder springt ihr da gerne auf den fahrenden Zug auf?
Pierre: Also das Album, die Lieder drauf, sind alle so ungefähr ein bis zwei Jahre alt. Deshalb haben wir damals so diese Musik geschrieben. Die Musik, die wir demnächst schreiben werden, wird nicht die gleiche sein. Wir folgen auf jeden Fall nicht dieser Schiene oder was „cool“ ist.
Simon: Wir folgen, glaube ich, mehr der elektronischen Musik, die wir aus Berlin kennen. Und die ist ja im Moment nicht gehyped, sondern die gibt’s ja schon seit 20 oder mehr Jahren.
Und weil du gerade Berlin erwähnst... Warum ausgerechnet diese Stadt? Was fasziniert euch daran?
Pierre: Also diesen „Berlin-Hype“ kenn ich überhaupt nicht. Wir kriegen immer so Fragen über „Ja wie ist Berlin für euch? Ist es so irgendwie ein krasser Einfluss, oder wie fühlt ihr euch da?“ Berlin wird jetzt grad voll cool gemacht und so weiter. Wir wohnen da, weil a) die Miete billig ist (lacht) und b) weil es dort eine gute elektronische Szene gibt. Ich bin nicht nach Berlin gezogen, weil es cool war oder so. Ich finde, es war vorher cooler.
Simon: Als es zum Beispiel noch geteilt war und Leute wie David Bowie nach West-Berlin gekommen sind... Ich glaube da war es – auch wenn es damals das Wort noch nicht gab im Deutschen – gehyped, wie es heute ist. Aus offensichtlichen Gründen, weil es eine Insel im Feindesland war, oder wie in einer anderen Welt und dadurch so besonders war. Heutzutage ist es eine Metropole, die einfach wächst und da ziehen enorm viele Leute hin. Aber das ist in jeder Großstadt auf der Welt so, Städte wachsen halt.
Pierre: Und ich meine, in Berlin herrscht auch irgendwie der total gewollte Hedonismus, was total Quatsch ist! Leute sind da hedonistisch, um hedonistisch zu sein, sind so krass crazy und verrückt, nur um es zu sein, das find ich einfach peinlich. So sind wir eben nicht. Diese Leute beeinflussen uns auf jeden Fall sehr. Sie beeinflussen uns in dem Sinne, dass wir uns viel besser fühlen, weil wir ja was schaffen. (lacht)
Eine komplett andere Frage: Ihr habt ja euer Debütalbum über Pledge Music von den Fans mitfinanzieren lassen. Habt ihr das nur gemacht, um ohne Plattenfirma auszukommen? Weil jetzt seid ihr ja auch unter Vertrag...
Pierre: Da hatten wir einfach so krasse finanzielle Fragen, wie würden wir ne Platte veröffentlichen, so groß, dass es nicht nur unsere Fans, die wir jetzt haben merken, sondern, dass wir mehrere Leute damit erreichen. Mit Pledge haben wir unsere Aufnahmen, Videos und so weiter finanziert. Und wir brauchten so einen letzten Push, und der kam mit einem Indie-Label, das man so normal nicht in Deutschland findet, eines das Geld hat und das auch an uns geglaubt hat und uns gepusht hat.. Einfach perfekt.
Euer Album heißt ja „Summer“. Ist der Sommer wirklich eure liebste Jahreszeit, oder warum der Albumtitel? Was verbindet euch damit?
Simon: Pierre schreibt ja die ganzen Texte, er hat wahrscheinlich die Geschichte dazu zu erzählen. Aber es hängt eigentlich mehr damit zusammen, dass wir unter diesem Begriff einfach ein paar verschiedene Gefühle und so weiter sammeln, die man mit Sommer verbindet, wie Leichtigkeit, Nostalgie...
Pierre: Sehnsucht...
Simon: Freundschaften, die kommen und gehen, ... also eher Gedanken als Jahreszeiten.
Macht ihr alle hauptberuflich Musik oder noch irgendetwas nebenher?
Pierre: Wir haben keine Zeit dazu. Wir haben jetzt nicht wirklich die Wahl, etwas hauptberuflich zu machen außer Musik. Aber das ist natürlich sehr positiv. Weil Musik zu spielen, aufzunehmen, zu schreiben, ist natürlich ein Vergnügen.
Vorher wurde meine nächste Frage ja schon von Simon angerissen und zwar das Thema Songs schreiben... Wie genau läuft das bei euch ab?
Pierre: Die Texte schreibe ich, aber das Lied schreiben wir zusammen. Es ist eher so... dieses Album klingt sehr live, weil es auch alles live geschrieben wurde. Simon hat auch die Platte aufgenommen, produziert sowie gemischt und seine Idee war, dass wir auch alle in einem Raum standen und alle diese Parts live eingespielt haben, sodass es wirklich so klingt, wie es geklungen hat, als wir es geschrieben haben. Die Texte kommen danach dazu, so wie das Lied sich anfühlt.
Gibt es – neben Friendly Fires – noch Lieblingsbands, mit denen ihr gerne Mal auf Tour gehen würdet?
Simon: Wie hieß der neue Hip Hopper? Drake?
Pierre: Ja, Drake wär voll geil. Oder Rihanna, so diese Pop-HipHop-Schiene. Nicht Kanye West - ich hab das Album nicht gemocht. Amy Winehouse ... die wär auch toll gewesen. Aber ich meine, die Bands, mit denen wir immer verglichen werden, hören wir – außer Friendly Fires - eigentlich nicht. Friendly Fires war so ein richtiger Traum, weil es unsere Helden sind, aber sonst...
Und wie kam es, dass ihr gefragt wurdet, ob ihr mit ihnen auf Tour gehen wollt? Haben sie euch einfach angequatscht?
Pierre: Nein, zu dem Zeitpunkt waren wir gerade mit Natalia Kills auf Tour, etwas ganz anderes - und es kam einfach der Anruf von unserem Managment „Hey, wollt ihr mit Friendly Fires auf Tour gehen?“ und es war so... „Dankeschön“ (lacht) ... „ach diiie!“ (lacht) und wir sind sofort von dieser Support-Tour zur Friendly Fires Support-Tour gefahren. Es war eine coole Zeit.
Warum habt ihr euren aktuellen Titel „Neuzeit“ genannt, also einen deutschen Titel, obwohl ihr eigentlich englisch singt?
Pierre: Wir sind keine britische Band, wir sind auch keine deutsche Band, wir sind eine Mischung aus beidem und wir fanden das als Single am besten, weil es uns einfach am besten zusammenfasst. Wir sind deutsch-britisch und die Klänge beweisen das in der Musik - und jetzt auch noch die Texte ein bisschen.
Ich hab mich, als ich das Lied zum ersten Mal gehört hab auch gewundert, was genau du da jetzt singst..
Pierre: (lacht) Viele Freunde von mir haben das auch gesagt und sich gefragt „Was singt er da?“
Simon: Viele Leute sagen auch, dass ist ein „fake british accent“, was aber nicht stimmt
Wird ja auch oft irgendwie kritisiert, was ich so gelesen hab..
Simon: (lacht) Er spricht wirklich so.
Pierre: (lacht) Eigentlich habe ich eher den amerikanischen Akzent, aber wenn ich singe wird’s so britisch.. Ne, es ist kein fake!
Meine letzte Frage: Welche Frage sollte euch mal bei einem Interview gestellt werden, was würdet ihr gerne mal beantworten, was ihr aber noch nie gefragt worden seid?
Pierre: (überlegt) Keine Ahnung, Sachen, die man nicht unbedingt auf Wikipedia über uns lesen kann. Ich glaub was wirklich wichtig für uns ist, ist dass alles von uns gemacht wird. Und das sollten die Leute auch wissen! Keine große Plattenfirma steht dahinter, die sagt „wir finden das toll, und das, und das, ... das müsst ihr weitermachen, das nicht“. Wir arbeiten sehr eng mit unserem Team und machen alles selbst: Simon hat die Platte selbst aufgenommen und das ganze Drumherum um die Musik gemacht, ich habe das Artwork gemacht - die Videos haben wir auch zusammen gemacht. Also alles kommt von uns und ich finde das sehr wichtig, dass Leute wissen, dass es wirklich ein handgemachtes Projekt ist! Und es schmeichelt sehr zu hören, wenn jemand sagt, „wow, das habt ihr gemacht, woah krass!“, weil viele dachten, dass es sehr professionell war. Also wir wollen nicht, dass es handgemacht aussieht, aber dass es trotzdem von uns kommt.
Interview: ANJA FISCHER.
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