
„Die mit dem Roten Halsband“ war der erste Hit, mit dem sich die Jungs in die Clubs unserer Nation spielten. Seit rund 15 Jahren machen sie Musik – und seit 2007 gibt es das Electro-Duo ‚Finger und Kadel’. Es dürfte kaum jemand unter uns weilen, der nicht zu ‚Mana Mana’ getanzt, zu ‚Bitch’ gefeiert oder ‚Wahnsinn’ mitgegrölt hat. Aktuell liegt der neue Track ‚Svetlana’ in der Pipeline. Sie sind Party-Boys und Porno-Boys – und sie haben sich einen Namen gemacht. Ein Name der vor allem eines garantiert. Beste Stimmung, beste Musik, beste Party! FRIZZ Das Magazin hat mit Jürgen Kadel gesprochen...
Ihr macht seit über 16 Jahren gemeinsam Musik. Wie hat alles angefangen?
Und das obwohl wir erst 21 Jahre alt sind (lacht). Seinerzeit im „XS“ in Frankfurt haben wir uns kennen gelernt. Da ich zu diesem Zeitpunkt Geld brauchte, habe ich bei Discomania – früher einer der größten Vertriebe für Techno – angefangen zu arbeiten. Dort haben wir uns wieder getroffen, denn auch Marcus hat sich dort etwas dazuverdient. Relativ schnell haben wir gemerkt, dass unsere Interessen in die gleiche Richtung gehen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ein paar Platten veröffentlicht und nachdem wir unser Equipment – das aus wenigen, sehr wenigen Synthys bestand – zusammen geworfen haben, ging es los. Von da an wurde gemeinsam Musik gemacht.
Wann seid ihr auf die Idee gekommen eure Brötchen als DJs zu verdienen? Gab es Vorbilder?
Am Anfang war es Leidenschaft. Pure, nackte Leidenschaft. Doch spätestens mit dem Hit „Die mit dem roten Halsband“ konnten wir uns nicht wirklich wehren und ‚mussten’ professionell(er) der Musik nachgehen. Meine Vorbilder waren – und sind – ganz klassisch Kraftwerk und Depeche Mode.
Was wäre aus Finger bzw. Kadel sonst geworden?
Wir würden wahrscheinlich unter einer Brücke hausen (lacht). Nein, wir haben vor „Finger und Kadel“ – wie man im Volksmund so schön sagt – etwas ‚vernünftiges’ gemacht. Wir sind quasi beide Adademiker. Markus hat Soziologie sudiert und ich bin mit meinem BWL-Studium auf dem Schwiegersohnranking noch eine Stufe höher. Danach habe ich begonnen im Bereich Marketing zu promovieren, doch die Musik lief irgendwann so gut, dass man sich entscheiden musste. Indirekt kann ich aber das, was ich gelernt habe, auch bei „Finger und Kadel“ ganz gut gebrauchen und anwenden. Ich kümmere mich etwas um das Marketing, designe die Shirts und und und...
Euphemistisch ausgedrückt habt ihr sicher wenig Langeweile. Bleibt neben Studio, Tourbus und Club überhaupt noch Freizeit?
Die muss man sich auf jeden Fall nehmen. Das interessante ist, dass wir das Wort ‚Langeweile’ nicht kennen. Ich weiß seit rund 15 Jahren nicht mehr was das ist. In der Hinsicht, kommt einem auch das Studium zu Gute. Man lernt an der Uni vor allem sich zu strukturieren und zu disziplinieren. Wenn wir auch nach außen verrückte Vögel sind – na gut wir sind verrückt Vögel (lacht) – doch letzten Endes arbeiten wir sehr diszipliniert und schaffen uns dadurch den nötigen Freiraum. Allein im Mai diesen Jahres hatten wir 18 Bookings. Rechnet man noch An- und Abreise dazu, kommt man schnell auf 25 Tage Action.
Was macht ihr privat um euch vom Stress zu erholen? Habt ihr Hobbies á la Modelleisenbahn bauen, oder seit ihr musikverliebte Arbeitstiere, die auch zu Hause nur Musik im Kopf haben?
(lacht) Das ist recht spannend. Denn der ‚Nachteil’ an unserem Job: Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht. Unsere Leidenschaft und Passion von früher ist heute Alltag – was aber keinesfalls negativ gemeint ist! Ich gehe zwar keiner Freizeitaktivität wie Sportangeln oder ähnlichem nach, aber ich habe gelernt abzuschalten. Musik erfüllt natürliche viele Teile meines Tages und ist ein immer wiederkehrendes Thema. Doch wenn ich Ruhe haben möchte, verbringe ich Zeit mit Menschen die mir wichtig sind – und der Email-Account wird dann außer Acht gelassen. Ruhe genießen und sich Zeit nehmen ist mitunter das Wichtigste. Nicht umsonst heißt eine Single von uns „Laut“. Wir sind in einem lauten Geschäft. Party zu machen und dafür Geld bekommen ist letzten Endes ein Privileg, dass es auch zu schätzen gilt. Wir sind auf jeden Fall Feierschweine und Musik ist unser Lebensinhalt.
Kommt von dieser Musikleidenschaft eure Energie? Denn selten habe ich hinter dem Pult eine solche Party bei den Schallplattenunterhaltern gesehen, wie bei euch.
Ja auf jeden Fall. Ich habe früher in einer Indie-Band gespielt und auch da die Bühne gerockt. Was die Musik angeht, war ich schon immer sehr ambivalent – und aktiv. Ich merke auf jeden Fall, dass wir, sobald wir auflegen, Vollgas geben. Dahinter steckt kein Plan oder gar eine Choreographie. Es bricht sozusagen aus uns heraus. Ich kann meinen Arsch einfach nicht still halten (lacht) – und wenn ich ehrlich bin, mag ich es als Gast auch nicht, wenn die ganze Menge tobt und der DJ steht wie angewurzelt hinter seinem Pult. Das finde ich unglaubwürdig. Wir mögen was wir machen und stehen voll dahinter. Ich glaube ich könnte gar nicht anders. Beim Live-Booking halte ich mich etwas mehr im Vordergrund und animiere die Leute. Doch ganz wichtig – es ist kein Marketingplan, der sagt „macht das so, sonst ist es nicht echt“. Es liegt eher daran, dass wir die Musik leben und wir uns bzw. die Location zerfeiern (lacht).
Ihr seid rund 15 Jahre dabei und DJs der ‚alten Schule’. Was ist euch lieber wenn ihr Auflegt: das Vinyl unter dem „Finger“, oder MidiControler und Laptop? – Schallplatte oder MP3?
In der Tat lege ich selbst erst seit 6 Jahren auf. Vor Finger und Kadel haben wir mit dem Projekt ‚Hacienda’ wenig(er) DJing gemacht. Marcus und ich durften mit vielen Künstlern, unter anderem Eva Padberg und Caitlin Devlin zusammenarbeiten. Wir waren live auf Tour mit sieben Leuten auf der Bühne. Sängerin, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Percussion, Markus am Rechner, ich an der Hammondorgel. Das ganze war eher ein anderer Sound. Vielleicht ein wenig „Café del Mar“-Feeling. Ich bin also ein Kind von CD und MP3. Marcus allerdings kommt vom Vinyl. Das schöne dabei ist, dass dabei zwei Generationen von DJs aufeinander geprallt sind. Witziger Weise war mein Kollege immer Vinyl-Junkie, bis die Bookings 2007 anfingen. Da wir viel mit der Bahn gereist sind, hatten wir zum Teil 50 Kilo Schallplatten im Gepäck. Irgendwann meinte ich dann zu Markus, dass er spätestens in zwei bis drei Monaten von alleine umsteigen würde. „Nee, dass wird nie passier’n“ – war seine Antwort – „Vinyl – lang lebe Vinyl“. Doch siehe da... Zwei-drei Monate später ist er aus praktischen Gründen doch konvertiert. Oft ist es auch eine knappe Kiste, wenn man noch auf einen Track wartet und die Platte einfach nicht rechtzeitig in der Post sein will.
Wie würdet ihr jemandem, der euch nicht kennt, euren Stil beschreiben? Worauf muss man sich am 3.9. im Capitol einstellen?
Auf kommerziellen House und Electro, mit dem wir die Bude zerfeiern. Einer von Lexy & K-Paul hat uns mit den Worten beschrieben: „Jungs, ihr macht keine Gefangenen...“. Das ist glaube ich sehr treffend. Es gibt nur die Möglichkeit mitfeiern, oder tot umfallen (lacht). Wir wünschen uns, dass die Leute zu unserer Musik Party machen. Wozu geht man denn in einen Club?! Man will natürlich auch nach den hübschen Aspekten des anderen Geschlechts schauen, doch vor allem geht es um ordentliche Feierei – und das gibt es bei uns.
Interview: MAX SCHMITT
| « | Mai 2012 | » | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
| 30 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
| 28 | 29 | 30 | 31 | 1 | 2 | 3 |
FRIZZ Das Magazin
FRIZZ EM-Eventguide