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ej is ja eschd voll de Hammä g’rad

Badesalz, Sa., 26.11., 20 Uhr, Posthalle, Würzburg

Eine der wichtigsten Institutionen der deutschen Comedy-Szene ist auf Tour. Henni Nachtsheim und Gerd Knebel, alias Badesalz, schlagen mit ihrem Programm "Bindannda" in der Posthalle auf und zeigen was passiert, wenn ein mittelständiger Leichtmetallbodenfabrikant ungewollt - und ohne Handynetz – in der Pampa auf einen Einsiedler, geprägt von Verschwörungstheorien, trifft und sich mit diesem arrangieren muss.

 

Nach dem Abitur warst du Sänger und Saxophonist bei den Rodgau Monotones, in den 80ern ging es dann los mit Badesalz. Bist du schon immer eine Rampensau gewesen, die gerne auf der Bühne steht?

Das ist etwas eigenartig, doch ich sehe mich selbst überhaupt nicht als ‚Rampensau’. Eigentlich hatte ich kein Verlangen nach der Bühne. Es hat sich so ergeben, dass ich das einfach kann (lacht). Ich spiele gerne live – und freue mich, wenn es gut läuft. Eine Art ungestillter Sehnsucht nach der Bühne habe ich allerdings nicht. Ich weiß, dass man sich gut behaupten kann und es möglich ist, seine Brötchen damit zu verdienen. Ich hab auf jeden Fall akzeptiert, dass es mir liegt – aber zur Rampensau genügt es nicht.


Was würde „Henni“ denn machen, wenn er nicht als Teil des hessischen Kabarett-Duos durch die Lande ziehen würde? Siehst du dich in einem 9 to 5-Job hinter einem Schreibtisch?


Das habe ich tatsächlich eine Zeit lang gemacht. Natürlich hatte ich nicht von Anfang an das Dauerprivileg, nach der Schule nur als Künstler arbeiten zu dürfen. Ich war drei geschlagene Jahre Garantiesachbearbeiter bei einer Autofirma. Gefolgt von tausenden Ferienjobs. Wenn ich natürlich jetzt auf mich schaue, würde ich – wenn es Badesalz  nicht gäbe – wahrscheinlich für andere Leute, oder eigene Theaterstücke schreiben. Ich sehe mich schon als Autor. Dieser Bereich interessiert mich auch von je her am meisten, da er die Grundlage von allem ist. Wenn wir nicht etwas anständiges schreiben, dann wird das nix (lacht).


Was wolltest du denn als Kind werden?


Ich wollte tatsächlich, ganz klischeemäßig, Tierarzt werden – oder rechts außen in der deutschen Fußballnationalmannschaft spielen.


Zum Glück ist alles anders gekommen. Du stehst mit deinem Kollegen Gerd Knebel seit langem auf der Bühne. Ihr habt unzählige Programme gespielt, hattet drei TV-Shows und sogar einen Kinofilm. Schreibt ihr alles selbst?

Ja, wir schreiben alles selbst. Außer – wir wollen hier ja nichts unterschlagen – bei Comedy Stories in Sat.1. Damals haben wir sechs Sketche einer holländischen Truppe übernommen. Das Problem damals war, dass wir eigentlich gar keine Lust hatten, eine Fernsehsendung zu machen (lacht). Roland Willart, unser Produzent, hat uns dann eine holländische Serie gezeigt. Die war dermaßen schräg und mutig, dass wir voller Elan gesagt haben: „Ok, dass machen wir – aber wir drehen pro Folge einen Sketch davon nach.“. Das ist in der gesamten Badesalzgeschichte quasi  der einzige ‚Fremdling’. Ansonsten ist alles brav von uns beiden verfasst worden.


Und wie darf ich mir eure Arbeit vorstellen? Ich hab sogar von einem Proberaum gehört…


(lacht) Ja, der Proberaum scheint so einige Menschen zu irritieren. Für uns ist es das Selbstverständlichste der Welt. Wir schreiben, wenn wir, wie bei einer TV-Serie, viel Material brauchen, auch für uns selbst. Aber normalerweise sitze wir beide in unserem ‚Proberaum’. Bei unserem aktuellen Live-Programm war die meiste Arbeit uns miteinander zu treffen und in langen Sessions über das Stück zu sprechen und daran arbeiten. Es gibt Phasen, in denen wir drei Stunden im gleichen Raum sitzen und kein Wort gesprochen wird, da jeder am PC sitzt und schreibt. Das ist eine große Qualität von uns, die nicht irritiert. Wir sind sehr eingespielt, was das kreative Arbeiten angeht.


Neben euren Sketchen habt ihr auch so einiges an Liedgut. Bist du Musiker mit Leib uns Seele?


Auf jeden Fall. Das sind wir beide! Wir haben uns sogar über die Musik kennen gelernt. Gerd war Komponist und Sänger bei Flatsch, ich Teil der Monotones. Die Musik ist ein extremer Antrieb für uns. Auch bei, bzw. mit Badesalz, haben wir sie nie aus den Augen verloren. Ich habe zudem zwei Soloalben gemacht und nutze die Musik auch zum Ausleben.  


Kann man manches besser durch Gesang ausdrücken?

Hey, das hat noch nie jemand gefragt (lacht). Ich würde sagen, ja. Es ist so, dass man sich bei den Songs sehr persönlich geben kann. Auch bei Balladen zu Monotones-Zeiten ging es eben um ‚die’ eine Frau, die einem zu der Zeit wirklich im Kopf herumschwirrte. Bei Sketchen findet das natürlich keine Beachtung – und spielt auch keine Rolle. Mit Liedtexten in Kombination mit Musik, kann man mehr, bzw. anderes ausdrücken. Auf dem neuen Album ist beispielsweise der Titel „Dann tanzt die Omma mit George Clooney“. In dem Song geht es um das triste Leben im Altenheim. Ich beschreibe quasi in meiner Phantasie, dass einmal pro Jahr eine Fee kommt und den älteren Herrschaften deinen Wunsch erfüllt. Das endet mit besagter ‚Omma’, die mit George Clooney tanzt. Das habe ich geschrieben, nachdem ich des Öfteren Bekannte im Altenheim besucht habe. Mit unter gibt es dort sehr triste Zustände. Ich wollte das zum Thema machen – und als Plattform passt da meine Musik natürlich besser als Badesalz. Mit der Emotionalität von Musik kann man zudem Dinge anders ansprechen und verpacken.


Ihr seid, nicht nur in euren Liedern, sehr ehrlich. Teils auch etwas kritisch. Gab es je negative Reaktionen auf einen Sketch?


Joah. Es gibt natürlich Leute, die sagen: „Wir finden das und das scheiße.“. Das ist aber normal. Wir nennen ab und an Namen, tabuisieren, bzw. enttabuisieren einiges. Da gibt es vielleicht ab und an Irritationen. Wo wir zeitweise wirklich missverstanden werden, ist bei Kritikern. Es gibt darunter wohl einige, die nicht zwischen uns als Personen und unseren Figuren trennen können. Wenn wir eine Figur ordinär sein lassen, gibt es auch Kommentare vom Publikum á la „Wenn das mein Enkel hört…“. Die Leute vergessen aber, dass ein altbackener hessischer Rocker nun mal kein sauberes, salonfähiges Hochdeutsch sprechen kann. Das ist nicht authentisch. Die Meisten verstehen aber zum Glück, was wir meinen (lacht).


Stichwort Hessisch. In vielen Stücken sprecht ihr bestes Hochdeutsch. Mit eurer Tour schlagt ihr aber beispielsweise auch in Jena und Berlin auf – und der hessische Dialekt fehlt sicher nicht. Wie kommen Dialekt und Witze in den Gefilden hinter dem Main an?


Das kommt gut an. Da wir Frankfurter Hessisch sprechen, die kompatibelste Form des Hessischen (lacht), versteht man uns für gewöhnlich sehr gut. Die Leute wollen auch, dass wir nicht nur Hochdeutsch reden – das haben wir sehr früh begriffen. Bei einem unserer ersten Ausflüge über die hessischen Grenzen, vor über zwei Jahrzehnten nach Düsseldorf, waren wir sehr unsicher und haben alles auf Hochdeutsch angelegt. Die Leute wurden immer unruhiger… Dann habe ich es ausprobiert und „ej is ja eschd voll de Hammä g’rad“ ins Publikum gerufen – und das hat gezündet. Ein großer Seufzer und Beifall ging durch die Reihen (lacht). Die Menschen kennen uns ja so wie wir reden und sind. Das wollen sie auch live hören.


Auch weil es authentischer ist.

Genau. Weil es wir sind, wie wir sind. Man merkt sofort, wenn man sich verstellt. Vor einigen Wochen hatte ich einen Soloauftritt in Mühlheim an der Ruhr. Dort habe ich auch gemerkt, dass das Hessische läuft – sogar bei Leuten, die mich gar nicht kannten. Alle haben sich köstlich amüsiert.


Das ist quasi meine nächste Frage. Ich bin mit Platten wie „DieWoDaSo“ und „Wie Mutter und Tochter“ aufgewachsen. Sitzen in eurem Publikum eher eingefleischte Langzeitfans, oder gibt es noch neugierige Menschen, die euch nicht kennen?

Es ist tatsächlich so, dass wir einen schönen Mix hingekommen haben. Der Altersdurchschnitt ist seit Jahren immer ähnlich. Das ist in sofern gut, dass wir zwar älter werden, aber unser Publikum sowohl aus Langzeitfans – Mitte 50 – deren Kids und ganz neuen Gesichtern besteht. Ich bekomme tatsächlich Mails von jungen Leuten, die schreiben, dass sie eigentlich nicht mitkommen wollten, da es sich wohl um Erbgut der Eltern handelt. Als sie aber die Platten gehört haben, mussten sie feststellen, dass diese zeitlos sind. Wir haben immer den ein oder anderen 15-jährigen im Publikum, der genauso mitlachen kann, wie Badesalz-Experten jenseits der 40. Das ist toll.


Spielt ihr lieber in heimischer Atmosphäre und großen Hallen, oder auf kleinen Bühnen nahe am Publikum?

Die kleinen Bühnen, bzw. die zu kleinen Bühnen, haben einen Nachteil: Man ist zu nah am Publikum (lacht). Wir hatten einst einen Auftritt auf einer Kleinkunstbühne in Koblenz. Da saß die erste Reihe einen viertel Meter von der Bühne entfernt. Einige haben dann prompt die Füße auf den Bühnenrand gelegt. Dann entsteht durch diese Haltung eine Atmosphäre der absoluten Respektlosigkeit (lacht). Das hat uns nicht so gut gefallen. Wir haben natürlich gleich gemaßregelt (lacht). Kompakte Hallen finden wir super – aber ein bisschen Abstand schadet auch nicht. In den Circus Krone in München passen 2000 Leute – die sitzen aber in einer derart geilen, nahen Atmosphäre um dich, dass es trotz der Größe eine intime Stimmung schafft. Das sind die besten Hallen.


Was erwartet uns eigentlich im neuen Programm am 26.11. in Würzburg?

Wir haben seit mehreren Jahren die Form, im Vergleich zu älteren Programmen, etwas gewechselt. Es gibt eine Art Comedy-Theaterstück, das von einem mittelständigen Leichtmetallbodenfabrikanten (ich) erzählt, dessen Frau ihm einen Paragleitflug geschenkt hat. Dieser geht allerdings dermaßen in die Hose, dass besagter Leichtmetallbodenfabrikant nach sieben Stunden Irrflug mitten in der Pampa landet. Kein Kontakt zur Außenwelt, kein Handyempfang etc. Es stellt sich heraus, dass genau dort ein komischer Aussteiger lebt, der sich selbst Noah nennt und eigenartige Theorien im Kopf hat, die außerirdisches Leben beinhalten. Diese versuchen miteinander klar zu kommen. Das ganze verpackt in einem kompatiblen, deutschlandweit verständlichen Hessisch. Es ist kein Nummernprogramm – das sollte man freundlicherweise den Leuten sagen, die schon lange nicht mehr bei uns waren – sondern ein Comedy-Theaterstück. Allein schon deswegen, weil es sonst niemand macht in Deutschland.


Interview: MAX SCHMITT

Autor: frizzwue

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