
Du bist schon lange im Würzburger Hip Hop Business. Wie kam es dazu?
Ich hab durch meinen Freund Markus Mutzenbacher angefangen. Er legt im House-Bereich auf und hat früher mit mir dieses ‚Hip Hop – Rap’-Ding gestartet. Nach einer spontanen Einladung von ihm „Komm vorbei, ich lege auf...“ war ich sofort angefixt und schrieb die ersten Texte. Los ging es mit mäßigem Erfolg (lacht), doch ich bin dabei geblieben. Es ist ein super Hobby. Gut für den Kopf, gut für den Output und perfekt um sich mitzuteilen – gerade wenn man so exhibitionistisch veranlagt ist wie ich (lacht). Mein Ziel ist es letzten Endes, jemandem mit Charme, Ironie und Witz ein Lächeln abzuringen.
Mich erinnert dein Style an die frühen Deichkinder – gerade zu Zeiten von „Nur noch 5 Minuten Mutti“. Was sind deine Einflüsse oder gar Vorbilder?
Vorbilder würde ich nicht sagen. Einflüsse im Hip Hop-Bereich gibt es vor allem bei Leuten die ich persönlich kenne. Ganz vorne dabei natürlich Mistaa. Als bekanntere Acts gäb es Dendemann oder Aphroae. Die fand ich schon immer klasse, jedoch glaube ich nicht, dass man deren Style in meiner Musik findet. Es ist vielmehr die Musik selbst, die Leben und Wirken beeinflusst. Freunde, Umfeld, Erfahrungen die man macht und verarbeitet... All das spielt mit rein.
Geknickte mit – so hieß deine frühere Combo, mit der du nicht selten das AKW gerockt hast. Vermisst du diese Zeit?
Definitiv! Würzburg ist eingeschlafen.
War früher alles besser?
Ja. Früher hatte es zumindest den Anschein, dass wir eine kleine Großstadt sind. Heute sind wir lediglich eine Kleinstadt, die gern etwas Großes wäre. In der musikalischen Szenerie ist es zumindest so. Früher gab es diverse Plätze, wo man sich trifft, etwas schnacken und unkompliziert ein Konzert veranstalten konnte. Gerade in der Hinsicht, wäre es schön, wenn es etwas wie die „Ulla“ länger gäbe als zwei Monate...
Stichwort Ulla: Du schlägst mit deinem Soloprojekt ‚DerLauteGast’ bald mit einem neuen Album auf. Wird es auch wieder „atemberaubend – hochgradig sinnfrei“? Was erwartet uns?
(lacht) Definitiv. Der Albumtitel ist ja nicht ohne Grund entstanden. Man darf – und soll – alles miteinem großen Augenzwinkern sehen. Alleine die Vorstellung, dass ich nackt im Einkaufszentrum umher renne, kommt dem Gipfel der Sinnfreiheit sehr nahe.
Neben deiner Tätigkeit als Master of Ceremony arbeitest du als Sozialpädagoge im Bereich „Kommunale Jugend- und Sozialarbeit“ in Ger- brunn. Was gibt dir die Arbeit mit den Kids?
Es hält mich jung. Ich bin Sozialarbeiter mit Leib und Seele. Ich spreche die Sprache der Kids, arbeite wahnsinnig gerne mit ihnen zusammen. Sicher gibt es viele ‚Erwachsene’ die sich nicht vorstellen können 8,5 h die Mischung aus Entertainer und ernsthaftem Ansprechpartner zu sein, für Probleme, die man entweder selbst schon 1000mal durchgemacht, oder in solchem Ausmaß (zum Glück) noch nie erlebt hat. Ich ziehe aus der Arbeit sehr viel Kraft – vor allem weil das Feedback direkt vor einem liegt.
Unter anderem hältst du auch Hip Hop Kurse. Ziehst du eine ‚Next Generation’ auf?
Nicht so wirklich. Aber ich habe gemerkt, dass Rap ein tolles Medium ist, um mit Jugendlichen in Kontakt zu treten. Es ihnen beizubringen schafft Nähe. Hip Hop ist ein tolles Hobby, mit dem man vieles verarbeiten kann. Dass man sich Dinge von der Seele schreiben kann ist ja nichts Neues. Durch den Rap bekommt das Ganze zudem ein nettes Gewand. Vereinzelt gibt es dann auch Jugendliche, die eine eigene Band haben, Tagebuch in Reimform schreiben und und und.
Gibt es Projekte mit deinen Schützlingen und dir als MC?
Nein. Dafür sind sie noch nicht gut genug (lacht). Es wäre ja schlimm, wenn man nach 2-3 Monaten das erreicht, wozu ich 13 Jahre gebraucht habe.
Wo will DerLauteGast noch hin?
Der Traum, ans richtige Ohr zu kommen und gefördert zu werden, ist natürlich nie weg. DerLauteGast würde gerne ein Musikvideo drehen – das wird er nächstes Jahr tun. DerLauteGast hätte wahnsinnig gerne einen Manager. Denn mit dem Vollzeitjob, der mir sehr am Herzen liegt, bleibt wenig Zeit. Meine beiden Produzenten sitzen z.B. in Berlin – da ist es sehr aufwendig den kreativen Output zu regeln und am Laufen zu halten. Gigs in anderen Städten organisieren etc. nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Jetzt sitze ich hier mit dir, was mir viel Spaß macht, doch auch das muss ich irgendwo, irgendwie reinpacken. Ein Manager innerhalb des nächsten Jahres ist, denke ich, ein durchaus realistischer Plan... und ansonsten: ne’ Million (lacht).
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