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Culcha Candela

Fr., 9.3., 19.30 Uhr, s.Oliver Arena, Würzburg

Sechs Jungs, fünf kulturelle Wurzeln. Wenn sich solch eine Kombo findet, ist das ein Garant für Musik, die in die Beine geht. Salsa-Hip-Hop-Reggae-Dance, oder kurz:  Culcha-Sound. Am 9.3. beehrt die Truppe Würzburg. Auf Grund der großen Nachfrage, wurde das Konzert in die s.Oliver Arena verlegt. FRIZZ hat vorab mit der Band gesprochen…



Ihr seid ein Teil der „next Generation“, habt ihr einmal gesagt. Leben, mit- und nebeneinander, ohne Unterschiede – und nicht „Multikulti“, wie es euch oft angedichtet wird. Euer Bandname bedeutet übersetzt ‚heiße Kultur’. Machen trotzdem die vielen Einflüsse, der kulturelle Mix aus vier Nationen und die Verschmelzung euerer (musikalischen) Wurzeln den besonderen Culcha-Sound aus?


Zunächst mal super, dass du das so gedeutet hast. Wir mögen den Multikulti-Slogan nicht besonders und lehnen den Begriff ab. Er grenzt das Ganze aus der Gesellschaft aus und holt es nicht in die Gemeinschaft rein, wie wir es möchten. Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft – und als eine Art „neues Gesicht“ von Deutschland. Verschiedene Kulturen. Friedliches Miteinander. Die diversen Unterschiede und Herkünfte prägen natürlich unseren Background und so unsere Musik. Das Ziel ist aber kein „Ethno-Sound“. Jeder zehrt von Einflüssen und wir sind offen für alles. Das ist das Entscheidende – auch bei unserer Musik.

Wie würdest du ihn definieren, den Culcha-Sound?


Historisch betrachtet, haben wir versucht Hip Hop, Salsa und Reggae zu verschmelzen. Diese drei Richtungen waren für uns immer treibend beim Schaffen neuer Musik. Mittlerweile haben wir allerdings überhaupt keine Scheuklappen mehr und lassen alles auf uns einwirken. Egal welcher Stil oder welches Genre. Im weitesten Sinne ist es für mich Pop-Musik. Pop-Musik, mit vielen Stilen vermengt und extrem breiten Sound. Doch wir machen uns frei von einer Klassifizierung. Das hat uns zwar anfangs nicht wirklich geholfen, aber es macht es einfacher der Öffentlichkeit zu erklären „wie man ist“ und „was man macht“, wenn es bekannte Vergleiche gibt. Wir wollten jedoch nicht Musik für eine kleine Gruppe spielen, sondern für alle und jeden.

Ich habe euch 2010 in Aschaffenburg gesehen. Was mir besonders auffiel, ist die Energie, die ihr auf der Bühne entwickelt – und die sofort auf das Publikum überspringt. Woher nehmt ihr die Kraft, was treibt euch an?


Der Umstand selbst ist es. Auf der Bühne zu stehen, live zu performen und Spaß zu haben ist für uns das Allergrößte. Die Energie ist einfach da. Das Ziel ist es, die Leute mitzunehmen und Party zu machen. Da haben wir Bock drauf, das spornt uns vielleicht am meisten an.

Das heißt, ihr seid eine Live-Band und keine Studio-Musiker?


Auf jeden Fall. Wir gehen zwar gerne ins Studio, aber vor allem mit dem Hintergedanken, neue Songs zu entwickeln um sie endlich live zu spielen und mit dem Publikum zu feiern.

Welcher Auftritt hat dir bis jetzt am meisten Spaß gemacht?


Ein Highlight gab es im Jahre 2008. Wir haben bei Rock am Ring gespielt und hatten eine eher exotische Rolle im Line-Up. Wir wussten nicht so recht was uns erwartet – vor allem zu einer etwas undankbaren Zeit, gegen 15 Uhr. Letzten Endes haben wir eine geile Party mit über 70.000 Leuten gefeiert und hatten eine Menge Spaß. Ich glaube, dass das ein denkwürdiger Augenblick war für uns als Band.

Und wo werdet ihr euch so schnell nicht mehr blicken lassen? Gab es einen no-go-Gig?


Per se nicht. Tatsächlich haben wir uns aber entschlossen, keine reinen Hip Hop Festivals mehr zu spielen. Das passt nicht so recht zu uns und es wurde etwas langweilig. In ein Genre eingesperrt zu sein liegt uns nicht.

Was euch jedoch liegt, ist der Spagat zwischen Party und ernsthaften Themen. Ihr schafft es immer wieder ernste gesellschaftskritische Texte, wie bei „Una Cosa“ oder „Schöne neue Welt“, neben reinen Partyliedern zu platzieren. Ist es für euch als Musiker wichtig eine Botschaft zu vermitteln, statt nur zu unterhalten?


Absolut! Einerseits stehen gute Laune und positives Denken im Vordergrund, andererseits ist uns die Komponente „Botschaft“ sehr wichtig. Uns ist immer ein Anliegen, dass aufgearbeitete Themen nicht traurig klingen. Wir wollen partytaugliche Musik machen, die Message aber nicht vergessen. Das war von Anfang an so. Sicher ist es von außen nicht das Präsenteste, da wir in der breiten Öffentlichkeit eher als Feierkapelle wahrgenommen werden. Doch wer sich eines unserer Alben anhört merkt, dass wir immer gewisse Themen aufarbeiten und – hoffentlich – auch zum Nachdenken anregen.

Auch in eurem aktuellen Album „Flätrate“ befinden sich Texte mit Botschaft. Ist der gleichnamige Opener als Kritik an der heutigen Partykultur zu sehen, oder soll es eine Hymne ans Feiern sein?


Man darf es als Kritik sehen. Doch wie alles im Leben hat auch die heutige Partykultur zwei Seiten. Es gibt viel Positives und mehr Freiräume, aber eben auch Kritisierbares. Der Track kommt zum Teil im Neue Deutsche Welle – Gewand an und soll Spaß vermitteln. Gute Laune, Kopf frei von Sorgen, usw. Wir sind ja selbst ganz vorne mit dabei, wenn es ums Feiern geht.

Etwas Ironie und Zweideutigkeit ist aber immer dabei, finde ich. Auch „Hungry Eyes“ und „Wildes Ding“ spielt damit. Gibt es eigentlich eine Dame, die exemplarisch für eure besungen Mädels, wie in „Hamma!“ oder eben „Hungry Eyes“, steht?

 

(lacht) Nein. Es ist ein Puzzle aus Phantasie, Wünschen und Erlebtem. So könnte man es vielleicht beschreiben. Jeder hat seine Traumfrau, bzw. kann jeder bei den Songs an eine andere Traumfrau denken. Für uns sind Frauen ein enormes Quell der Inspiration. Wir beschäftigen uns auch viel mit Frauen (lacht). Wir setzen der Damenwelt gerne auf diese Art und Weise ein Denkmal, sagen wir es mal so.

Noch eine Frage zum aktuellen Album: „Megaherz“ sehe ich als Kritik zum Medienzeitalter und dem virtuellen Leben. Wie steht ihr zu (sozialen) Medien und der Generation Internet?


Man darf es kritisch sehen, doch der eigentliche Tenor ist eine Liebesgeschichte, übertragen auf die Nerd-Welt. Ein Liebeslied aus der Perspektive zweier Supernerds. Bei uns in der Band sind die Meinungen zu dieser virtuellen Welt zweigeteilt. Einige lehnen Social Media stark ab, andere sind komplett involviert und sehr aktiv. Ich selbst suche und sehe eher die Vorteile. Man kann mit Fans und Freunden interagieren, Kontakt halten und Kritik umsetzen. Es ist ein Sprachrohr der  neuen Generation.

Ihr wählt aber stark aus, welches Sprachrohr ihr zulasst. In einem Interview habt ihr gesagt, „Mit der Bild-Zeitung hätten wir jetzt keinen Bock ein Interview zu machen.“ – warum nicht? Bzw. ist das noch aktuell?


Für uns als Band steht das immer noch. Wir suchen nicht gerade den Kontakt mit reinen Regenbogenformaten – sagen wir es mal so. Unser Plan ist es nicht, irgendetwas mit Halbwahrheiten künstlich zu pushen. Und medientechnisch ist es auch nicht das Format, das wir privat zur Hand nehmen. Es sollte schon zu Culcha Candela – und der Zielgruppe – passen, sonst macht es keinen Sinn.

Eine ganz andere Frage: Wolfgang Niedecken, Sänger und Gitarrist bei Bap, hat euch einen Altar geschenkt. Was hat es damit auf sich? Und ist Letzterer steter Begleiter von Culcha Candela?


Den gibt es natürlich noch! Er ist steter Begleiter und vor jedem Konzert dabei. Wir kommen zusammen, sprechen wichtige Änderungen durch, konzentrieren uns und nehmen noch einen Schluck von unserem Zaubertrank (lacht). Es ist unser spirituelles Zentrum.

Und wir kam es zu diesem Altar?


Zum 33-jährigen Bandjubiläum von Bap haben wir einen alten Reggaesong der Band neu aufgenommen. Im Studio hatten Bap ihren Altar dabei. Das war für uns sehr eindrucksvoll! Er ist gespickt mit Erinnerungsstücken, Dingen an denen viel Emotionen hängen und Souvenirs. Wolfgang hat gleich gemerkt, wie gebannt wir von der Kiste waren und erklärte uns, dass es noch einen jungfräulichen zweiten „Ersatzaltar“ gibt und er uns diesen schenken möchte. Wir waren baff und fühlten uns sehr geehrt, als er ihn uns bei unserem nächsten Konzert in Köln in die Hand gedrückt hat. Zum Leidwesen unserer Crew, denn die müssen die Kiste rumschleppen (lacht), ist er immer dabei und seither gibt es diese Tradition.

Gibt es noch andere Rituale in der Band?


Ja, zumindest halbe Rituale, würde ich sagen. Eine Stunde vor dem Auftritt sind alle Meet and Greet– oder Pressetermine vorbei und wir sitzen zusammen. Wir besprechen alles, machen unsere Stimmübungen und und und. Es gibt Handshakes, Eingröl-Verse und noch ein paar geheime Rituale.

Abschließend noch eine Frage, was erwartet uns in der s.Oliver Arena?


Neu – ist der große Slogan. Neues Album, eine fette neue Show, alles sehr interaktiv. Wir werden versuchen Würzburg auf den Kopf zu stellen und bitten daher alle noch ein Foto zu machen… Falls die Stadt nach unserem Konzert nicht mehr so ausschaut wie vorher (lacht).

 

Interviev: Max Schm

Autor: frizzwue

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