
Sepalot, Roger, Cajus, Schu und Holunder alias Blumentopf sind mit neuem sechsten Album zurück. Da ist er wieder, der La-Di-Da-Shit, der Topf ist im Haus, genauer gesagt rockt er am 26.2. die Würzburger Posthalle. FRIZZ Das Magazin hat vorab mit Storyteller Cajus gesprochen…
Zwischen der Veröffentlichung von „Wir“ und „Musikmaschine“ sind vier Jahre vergangen. Was ist in der Zwischenzeit beim Topf passiert?
In der Zwischenzeit hatten wir diverse Soloprojekte, was eine interessante und neue Erfahrung war. Wir machen schon so lange im Team Musik, dass es sehr spannend war komplett allein Musik zu machen und für alles allein zuständig zu sein. Positiver Nebeneffekt: Nach der langen Zeit hatte man wieder richtig Bock mit den anderen ins Studio zu gehen und die Köpfe zusammen zu stecken. Was beim Topf eine sehr positive Sache ist, dass man sich gegenseitig pusht und aufschaukelt. Das haben wir bei der neuen Platte auch wieder erlebt, da sind wir wieder richtig zusammengewachsen…
Euer aktuelles Album trägt den simplen Titel „Wir“. Wie unterscheidet es sich von seinen Vorgängern?
Es ist auf jeden Fall gitarrenlastiger als alle seine Vorgänger. Insgesamt ist der Sound roher und dreckiger, auf Drum-Loops basierend, die scheppern und rumpeln. “Musikmaschine“ war mehr die experimentelle Platte, „Wir“ geht eher in die rockige Richtung, was für uns eine komplett neue Erfahrung ist. Das Album ist bewusst nicht komplett ausproduziert, sondern geht auf die Zwölf und ist schön kantig.
Euer Openerstück vom aktuellen Album „SystemFuck“ erinnert – zumindest vom Namen her – an den alten Titel „Fuck the System!“ vom 99er Album „Großes Kino“. Habt ihr das System in den letzten Jahren auch noch gefickt und falls ja, wie? Oder würdest du sagen, dass eure Betriebssysteme mittlerweile „fucked up“ sind und ihr angepasster seid als damals?
Bei den beiden Songs geht es einmal um das System an sich („Fuck the System“) und beim aktuellen Song „SystemFuck“ geht’s um eigene Betriebs-system, was abfuckt. Letzterer ist mehr ein Feiersong. Inwiefern wir das System gefickt haben? Da würde ich sagen, dass wir uns immer treu geblieben sind und nie irgendwelche Moves oder Songs gemacht haben, von denen wir nicht überzeugt waren. In erster Linie machen wir den Sound für uns und wollen uns selber begeistern. Erst wenn wir das geschafft haben, haben wir eine Platte rausgebracht. Wir haben nie ein Album nach einem bestimmten Zielpublikum geschrieben oder produziert. Unser Zielpublikum waren und sind wir. Wir passen uns nie großartig an. Das ist auch ein Punkt, der uns als Band auszeichnet. Wir haben das Glück, dass das ein paar Leute da draußen verstehen und feiern.
„Nerds“ beschreibt ihr als „pickelige Stubenhocker, Bücherwürmer und Computerzocker.“ Sind auch Nerds unter euren Fans und wer von euch ist am nerdigsten unterwegs?
Wir haben auf jeden Fall Nerds unter unseren Fans. In Wiesbaden kamen drei Jungs zu unserem Konzert, die sich ein richtiges Nerd-Outfit zugelegt haben mit Sonnenbrillen und Hosenträgern und so. Das waren auch offensichtliche Fans von dem Song. Der Topf besitzt eine Liebe zu Spinnern, die sich für Dinge interessieren, für die sich sonst kein anderer interessiert und die breite Masse erst recht nicht. Liebe zu Nerds, die sich Detailwissen und unwichtige Dinge um die Ohren hauen, was andere Leute gar nicht verstehen können. So gesehen sind wir natürlich auch Nerds. Holunder ist zum Beispiel ein Physiknerd, der sitzt in seinem Keller und macht da Experimente und schreibt eine Doktorarbeit über etwas, was ich nicht mal in Worten wiedergeben kann (lacht). Er ist fast der größte Nerd unter uns. Roger ist ein Comic- und Computerspielnerd. Sepalot ist der totale Plattennerd, der sammelt in jeder Stadt Platten und findet irgendwelche verstaubten Raritäten und kommt dann ganz stolz mit dem Satz an: „Jetzt hab ich sie endlich“. Ich für meinen Teil bin ein Snooker-Nerd. Ich bin ein großer Billard-Fan, besitze da ein großes Fachwissen und spiele auch selber. In dem Moment, wo wir gerade telefonieren, läuft zum Beispiel das Viertelfinale vom Masters in Wembley. Das ist ein Prestigeturnier in der Snooker-Szene. Abschließend lässt sich sagen: Jeder Topf ist auf seine eigene Art und Weise ein Nerd.
In „Taschen voller Sonnenschein“ heißt es: „Ja, ich hab meine Macken, aber ich kann drüber lachen“. Welche Macken haben denn deine vier Bandkollegen?
Also der Holunder ist zum Beispiel ein Mensch, der immer recht haben will. Das führt teilweise zu Diskussionen, die sehr sehr lange gehen und sich sehr sehr schwierig gestalten. Wenn etwas gegen seinen Willen entschieden wurde – selbst wenn wir gemeinschaftlich abgestimmt haben – kann es gut sein, dass er nach drei Stunden nochmal damit anfängt und nicht locker lässt. Das ist echt eine relativ große Macke und damit sorgt er immer wieder für Reibungspunkte. Wir lieben Holunder aber trotzdem (lacht).
Euch gibt es seit mittlerweile 18 Jahren. Was bringt die Zukunft für den Topf?
In näherer Zukunft haben wir ein Projekt mit einer Blaskapelle zusammen. Bei dem Song „Fenster zum Berg“ haben wir den bayerischen Defiliermarsch gesampelt, woraus die Idee geboren wurde, eine ganze EP zusammen mit der Blaskapelle Münsing zu machen. Am Wochenende vor der Tour treten wir dann auch zweimal zusammen mit der Kapelle auf. Für uns ist das sehr spannend, weil wir so was noch nie gemacht haben.
Ihr seid schon mehrmals in Würzburg aufgetreten. Was verbindest Du mit der Stadt?
An Würzburg habe ich die Erinnerung, dass ich 2006 zum Album „Musikmaschine“ mit einem Stapel Sticker losgezogen bin und die komplette Innenstadt von Würzburg zugeklebt habe. Ich bin 15 Kilometer in jede erdenkliche Straße und Gasse gelaufen und habe für Blumentopf „Musikmaschine“-Promo gemacht. Das ist tatsächlich meine Erinnerung an die Stadt – auch für den Fall, dass das jetzt jemand vom Würzburger Ordnungsamt liest (lacht)…
Was erwartet eure Fans bei eurem Tourabschluss-Konzert am 26.2.?
Leute nehmt euch für diesen Abend nichts vor, da kommen wir, der Topf, zu euch in die Stadt in die Posthalle. Wie es der Zufall will, haben wir Würzburg als Tourabschlussstadt auserkoren, das heißt, dass wir kollektiv nach dem Konzert noch groß feiern gehen werden. Da wird jeder gezwungen, da gibt’s keine Ausreden. Erfahrungsgemäß muss da aber niemand gezwungen werden (lacht). Ihr seid alle herzlich eingeladen vorbeizuschauen, wir haben unsere Band am Start, neue Songs, alte Hits und Freestyles im Gepäck. Kommt vorbei, es wird ein großartiger Abend!
Interview: Katharina Försch
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