
Einleitende Worte sind bei dieser Band wirklich nicht nötig. Sie zählen zum Besten, was auf dem Musikmarkt umherspringt und rocken mit ihren Live-Shows wie kein Zweiter. FRIZZ hat mit dem Bassisten der Beatsteaks, Torsten Scholz, gesprochen.
Ihr habt eure aktuelle Platte „Boombox“ nicht im Studio, sondern im Proberaum aufgenommen. Wie kam es dazu?
Wir hatten ganz „normal“ angefangen vorzuproduzieren und aufzuzeichnen. Mit den Demo-Tapes sind wir dann, samt Produzenten, ins Studio. Dort haben wir jedoch schnell festgestellt, dass es nicht so authentisch klingt wie wir es gerne hätten. Die Demos sind – und waren – einfach geiler! Es ist echter, wenn man die Musik aus dem Bauch spielt und nicht aufgeregt die rote Studiolampe im Gesicht hängen hat. Das ist und war nicht das, was wir im Demo eingefangen haben.
Ist es im Proberaum also generell näher an der Musik und eher Bauchgefühl, statt Lampe an – Kopf an – los geht’s?
Genau. Vor allem ist jeder von uns entspannter und freier. Im Studio war es ein extrem verkopftes Spielen. Das tut unserer Musik nicht gut. Beim Aufnehmen des Demos ist es eher eine positive „scheiß egal“ Einstellung (lacht) – und was dabei rauskommt landet dann sogar auf der Platte. Wenn man beim Spielen merkt, dass man wirklich Spaß hat – und dieser überspringt – ist alles prima gelaufen.
„Boombox“ ist, wie die letzten beiden Vorgänger, ca. 30 Minuten lang. Sind das 30min „Best Of Proberaum“, oder konntet ihr irgendwann nicht mehr?
Wir machen immer 16 bis 17 Demos, doch nur 11-12 Songs schaffen es dann auf die Scheibe. Irgendetwas fällt immer weg, denn alle fünf von uns sind sehr sehr kritisch. Wir haben Titel ausgewählt und dabei festgestellt, dass die anderen drei-vier Songs nicht an die Elf rankommen. Wobei ich finde, dass eine halbe Stunde heut zu Tage ausreicht. Ich kenne keine Platte mit 18 oder 20 Stücken, von denen alle wahre Burner sind – was wir natürlich von unserer Platte finden (lacht). Deshalb Qualität statt Quantität!
Ich habe sogar von rund 40 Songs für das Album gehört... Ist „Boombox“ das absolute Destilat, quasi die Crème da la Crème de la Beatsteaks?
(lacht). Oh ja! Nur das Geilste. Natürlich sind am Anfang auch verschiedenste Versionen von Songs in der Diskussion. Aber wenn wir uns entscheiden und alles ein wenig eindampfen, kommt etwas Ordentliches heraus!
Wenn ihr live auf der Bühne steht, schafft es immer wieder der ein- oder andere Coversong in die Playlist. Ist das eine Hommage an die Bands?
Es ist auf jeden Fall eine Hommage. Natürlich werden die Stücke dabei sehr bewusst ausgewählt, denn sie müssen in erster Linie zum Sänger passen! Jetzt gerade haben wir einige Sachen im Proberaum ausprobiert. Wenn die Arnim nicht auf den Leib geschneidert sind, hat der Song wenig Potential. Dann versucht man eine Version zu machen, die den eigenen Stil beinhaltet. Ich finde Cover auch privat sehr geil. Oft erkennt man Facetten und Ausdrücke, an die man im Original nicht gedacht hat. Das ist eine super Sache – und macht eben zum Teil verdammt viel Bock!
Wird es vielleicht einmal eine Cover-CD von euch geben?
Warum nicht? Wir sind nicht am Machen, planen nichts in diese Richtung – doch wie heißt es so schön. Sag niemals nie. Vielleicht gibt es mal ein Cover-Album. Wenn wir Bock drauf haben (lacht) ... und Zeit.
Wenn ich mich recht entsinne hast du einmal unwissend ein Interview mit einem Bundeswehrmagazin gehabt. Wie kam es dazu?
Mich würde interessieren, wie du das erfahren hast! (lacht) Es war eine recht linke Nummer von meinen Bandkollegen – die Schweine. Ich war recht neu dabei und irgendwann hieß es „Hey da und da ist ein Interview“. Dann musste der eine zum Arzt, der andere half bei einem Umzug, ein Auto war kaputt und und und. Also hab ich gesagt „dann mach ikk det halt“. Nach dem Interview sagt der Typ dann, dass es für ein Bundeswehrmagazin ist. Das fand ich extrem dämlich, da ich anerkannter Kriegsdienstverweigerer bin! Ich bat ihn die Fragen nochmals durchzugehen – und da musste er natürlich „ganz schnell wohin“. Ich weiß nicht mehr, ob das nur Promo war. Aber an und für sich finde ich, dass man mit jeder Zeitung, jedem Medium sprechen sollte. Bei Dingen wie einem Bundeswehrmagazin oder der Bild muss man allerdings überlegen ob es moralisch vertretbar ist.
Stichwort Promo: Ihr engagiert euch im Kampf gegen Analphabetismus bei der Kampagne iChance. Wie wichtig ist es eurer Meinung nach den eigenen Bekanntheitsgrad für gute Zwecke zu nutzen?
An und für sich, sehr. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Wenn jemand kein Bock darauf hat, soll er es nicht machen. Doch irgendwo gehört es heute zum guten Ton. Wir sind ja bei weitem keine Band die Jeder kennt. Als wirklich Prominenter kann und darf man, von mir aus, sehr gerne für bzw. gegen etwas sein. Wenn Dinge an uns herangetragen werden, die uns betreffen und berühren – dann bin ich der Erste der etwas für einen „guten Zweck“ tut. Man bricht sich ja schließlich keinen Zacken aus der Krone. Seit langem haben wir z.B. auch eine Partnerschaft mit einem Hospiz in Afrika. Das sind aber auch alles Dinge die Einen bewegen.
Und hinter denen man steht?
Genau. Junge Helden beispielsweise – ein e.V. der sich um Organspende kümmert – feiert geile Partys, die echt Spaß machen. Da lege ich regelmäßig mit Arnim auf. Das finde ich gut und da stehe ich voll dahinter. Wenn jemand aber sagt ich hab kein Bock, auf Öffentlichkeit verzichtet und vielleicht im stillen Kämmerchen spendet, finde ich das auch super. Lediglich A-Promis, die so rein gar nichts machen finde ich ein wenig asozial.
Ihr standet mit Bands wie den Donots, den Ärzten und den Toten Hosen gemeinsam auf der Bühne. Wie war diese Erfahrung für euch?
Man nimmt einiges mit. Vor allem bei den letzten Beiden erkennt man, wie man sich gegenseitig mit Respekt behandelt und zusammen Party macht. Denn die Ärzte machen beispielsweise Hallen voll, die wir nie füllen würden!
War nicht einmal geplant, dass die Ärzte als Vorband von euch mittouren?
Ja das war schon einige Male geplant. Doch die Pfeifen haben keine Zeit! (lacht) Wir haben uns des Öfteren hingestellt und die Drecksarbeit ge- macht, doch die Herren sind sich natürlich zu fein (lacht). Quatsch – die sind sich natürlich nicht zu fein, haben aber bisher noch keine Zeit gefun- den, was ich gut verstehen und nachvollziehen kann.
Eure Show strotz vor Energie. Können das die Würzburger auch erwarten?
Klar! In Würzburg setzten wir noch ‘ne Schippe drauf! Wir freuen uns schon das ganze Jahr auf diese Tour. Denn es sind nicht die „A“ oder „B“ Städte wie Frankfurt, in denen jede Band spielt. Wir spielen in Würzburg – also nichts gegen Würzburg (lacht). Ich finde das wirklich sehr geil, dass wir kommen dürfen. In Hamburg, Köln und München spielt jede Scheißband... Mir ist es wichtig auch andere Städte mit in die Tour einzubeziehen.
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