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Johnny & die Leichtigkeit

FRIZZ im Gespräch mit Steffen Boseckert…

Steffen Boseckert studiert Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Würzburg. Seine Abschlussarbeit ist der Film „Johnny & Die Leichtigkeit“. Bevor der Kurzfilm an diverse Filmfeste geschickt wird, hat FRIZZ mit ihm gesprochen…


Wenn ich an ‚Komm-Design’ denke, fällt mir das Konzipieren und Erstellen von Logos, Motiven, Webseiten etc. ein. An bewegte Bilder denke ich nicht sofort. Ist es gängig, als Bachelorthesis einen Film zu erarbeiten?


Nein, überhaupt nicht. Dieser Studiengang ist eigentlich sehr grafiklastig. Bei uns ist der Filmbereich nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Warum hast du dich dann dafür entschieden?


Ich bin ein Quereinsteiger. Vor meiner Zeit in Würzburg habe ich Informationsmanagement studiert und habe darüber ein Interesse an Grafik und Fotografie entwickelt. Doch das war mir alles etwas zu langweilig. Ich mag Bilder sehr gerne, weil sie den Moment festhalten. Es erfüllt mich auch, Bilder zu konzipieren und durchzukonstruieren, aber ich habe schnell gemerkt, dass es noch nicht alles ist, was ich will. So bin ich zum Film gekommen und ganz schnell darauf hängen geblieben (lacht). Das Medium ist sehr facettenreich. Schauspielführung, Konzeption, Drehbuchentwicklung - es wird nicht langweilig. Da ich die Grundlage aller kreativen Bereiche gelernt habe, kann ich Plakate, Homepage und das ganze Promoting zum größten Teil selbst in die Hand nehmen. Außerdem schätze ich sehr, dass man sowohl alleine arbeiten kann, als auch mit sehr vielen kreativen und interessanten Leuten in dauerhaftem Kontakt steht. Das ist sind die Gründe, warum ich beim Film gelandet bin.

Du warst im Zuge des Films viel unterwegs, hast Leute gecastet, Locations gesucht und und und. Meeting jagt Meeting. Kann man bei all dem Spaß noch von einer AbschlussARBEIT sprechen?

(lacht) Das ist eine gute Frage. Einerseits beendet der Film mein Studium, andererseits ist es ein direkter Übergang in die Arbeitswelt. Ein Film ist ein riesiges Projekt, das darf man nicht unterschätzen. Selbst wenn man denkt, man hat alle Ideen bereits vor Augen etc. – es ist verdammt viel Arbeit, alles genauso umzusetzen. Eine solche intensive Abschlussarbeit und der Druck, der damit einhergeht, sorgen dafür, dass man all das Gelernte anwendet und noch viel mehr dazulernt. Eine gute Erfahrungsgrundlage für das, was in Zukunft ganz normales Tagesgeschehen sein wird.

Du hast mit deinem Team ein professionelles Casting in Berlin gemacht. Wie bist du vorgegangen, um z.B. Milton Welsh für den Film zu begeistern?

Milton ist großartig! Er hat kürzlich in „Conan“ mitgespielt und ist aktuell mit dem Film „Blutzbrüdaz“ im Kino zu sehen. Also ein perfekter Zeitpunkt, um einen Film mit ihm auf Festivals zu schicken (lacht). Milton ist mir in Berlin begegnet. Er steckte in einem Kostüm und machte Promo für eine Schneemanndemo. Als er seine Maske abgesetzt hatte, kamen wir damals ins Gespräch. Ich hab ihm später das Buch zum Film geschickt und er fand es sofort gut. Vom Typ her war er wie gemacht für die Rolle des Johnny.

Bei der Nachproduktion arbeitest du mit Frédéric Gerth zusammen. Der hat bereits als Boom Operator in Oliver Kienles Film „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ mitgewirkt. Wer bzw. welche Positionen spielen eine Rolle im Hintergrund bei solch einem großen Projekt?


Als Produzent hat mir mein Kollege Christian Huller viel Arbeit abgenommen und mir oft den Rücken frei gehalten. Shanti Robert (Casting, Maske & Kostüm), Martina Chamrad (Regieassistenz) und Christoph Kirchner (Line Producer) waren als kreative Köpfe weitere wichtige Instanzen in meinem Team. Frédéric war für guten Sound zuständig und kümmerte sich um das Sounddesign. Ohne die Stimmen guter Freunde und den Einsatz kompetenter Crewmitglieder könnte man ein Projekt wie dieses nie realisieren. Es war gut, dass wir einen finanziellen Zuschuss von der Kulturförderung Würzburg bekamen, da ein solcher Film natürlich Geld kostet. Das fängt an beim Make-Up Artist und endet bei der Technik selbst. Da ich kein Fan bin von „alle sollen alles umsonst machen“, bekamen manche wenigstens eine kleine Entschädigung, wenn es der finanzielle Rahmen zuließ.

Wenn ich als Elektrotechniker für meine Abschlussarbeit eine Diode entwickle, werde ich von einer Firma betreut und unterstützt. Wie läuft das bei dir?


Ein Budget von der FH bekommen wir nicht, jedoch war ich zum großen Teil mit Equipment versorgt. Zudem ist die Betreuung durch die Professoren und die Zusammenarbeit untereinander gut. Da wir keine offizielle Filmhochschule sind, ist das mit der Geldbeschaffung immer etwas schwierig (lacht).

Gedreht wurde natürlich in Würzburg. Ob Club L, Alter Hafen oder Hans Huckebein. Gab es große Unterstützung von Seiten der Stadt, oder ist man im Rathaus nach Hollywoods Besuch etwas zurückhaltender?

Ich muss sagen, dass ich dem Kulturförderamt sehr dankbar bin, das uns, wie gesagt, finanziell unterstützt hat. Bezüglich der Besitzer unserer Drehlocations hatten wir im Hans Huckebein die volle Unterstützung von Konny Stockfisch und auch im Club L stand uns Joachim immer zur Seite. Für mich war es in gewisser Weise auch ein Abschied von Würzburg, da ich nicht mehr allzulange hier sein werde. So wollte ich auch den einen oder anderen Ort zeigen, der mir am Herzen liegt.

Wie wichtig ist für dich in der heutigen Zeit das Arbeiten bzw. wie wichtig ein Abschluss? Haben Kontakte und Erfahrung Priorität?

Networking ist extrem wichtig, vor allem in diesem Bereich. Das Studium ist ebenfalls wichtig, da man dort die Basics vermittelt bekommt und Leute kennenlernt, mit denen man später zusammenarbeiten kann. Man sollte früh anfangen, Kontakte zu knüpfen und viele Jobs machen, die einen immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Das macht später auch den Einstieg ins sogenannte „echte Leben“ leichter. Ich denke, die Balance zwischen der Arbeit an eigenen Ideen und den Jobs für andere ist wichtig – wenn das Studium ein oder zwei Semester länger dauert, ist das nicht schlimm. Oft lassen sich Projekte auch mit dem Studium koppeln. Am wichtigsten ist es für mich, zu wissen was ich will und eine gewisse Haltung mit seinen Arbeiten zu vertreten.

Als kleiner Tausendsassa hast du stets mehrere Projekte am Laufen. Wie managst du Hochschule, deine Aufträge, Filmprojekte und Privates?  Hast du einen Assi(stenten)?


In den letzten zwei Jahren ist es ziemlich viel geworden. Je mehr Projekte man am Laufen hat, desto mehr lernt man, seinen Alltag zu organisieren. Egal ob Zimmer putzen, Zeit mit der Freundin zu verbringen oder eben zu Arbeiten. Die Zeit wird wertiger. Ich bin ein Mensch, der diese Auslastung braucht. Ich denke, man muss sich selbst kennenlernen, um zu merken, wann es genug ist mit der Arbeit. Dann gehe ich Laufen, eine Runde schwimmen oder schaue zwei Stunden einen Film zur Entspannung. Das ist ok – und wichtig! Jeder muss für sich lernen, das Stresslevel zu pegeln und sich nicht von zu vielen Stimmen da draußen verrückt machen zu lassen.

Stichwort Bangkok – eines eurer neuen Projekte. Magst du schon etwas verraten?

Das wird eine spannende Geschichte. Im Gegensatz zu den Projekten der letzen Jahre ist es ein sehr jungfräuliches und spontan geplantes Vorhaben. Wir drehen in Bangkok eine Art Kurzdokumentation und wollen dieses Konzept später auch auf andere Städte anwenden. Die Drehzeit ist mit etwas mehr als einer Woche sehr kurz angesetzt, was eine große Herausforderung wird. Bangkok ist eine Metropole mit einer unvorstellbaren Lautstärke und viel Trubel. Das spannende dabei: Der Protagonist ist taubstumm. Bangkok steht nicht still und mit dem Soundgegensätzen zu spielen wird sehr spannend. Das wird auf jeden Fall eine fesselnde Geschichte.

 

Interview: Max Schmitt

Autor: frizzwue

Uraufführung bei der Semesterausstellung der FH Würzburg: Fr., 10. und Sa., 12.2., Sanderheinrichsleitenweg 20

 

http://johnny-film.de

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