frizz.künstlerportrait
Gerhard Roese
Atelierhaus, Riedeselstraße 15, Darmstadt
Gerhard Roese liebt die Kunst. Er lebt von und mit ihr. So ist auch seine Arbeitsstätte neben einem Atelier als reiner Künstlerwerkstätte zugleich Ausstellungsraum, Lager und ein bisschen Wohnraum. Betritt man die ehemalige umgestaltete Turnhalle, das „Atelierhaus“ neben Mollerhaus und Staatstheater gelangt man in den ersten abgetrennten Bereich des Bildhauers. Der Besucher merkt schnell, dass der Künstler hier viel Zeit verbringt der selbst eingerichtete „saubere Arbeitsplatz“ des 49 jährigen erinnert sehr an ein normales Wohnzimmer mit Schreib- und Computertisch, verschiedenen Sitzmöglichkeiten und Tee-Ecke. Roese selbst sieht man sofort an, dass hier gearbeitet wird. Der Darmstädter trägt einen ehemals weißen Kittel der, wie er selbst, immer wieder Staub- und Schmutzflecken aufweist. Der Boden ist überseht mit Styropor, den Roese zum Grundmodellieren nutzt und später in Alu oder Bronze gießen lässt. Oftmals färbt er seine Skulpturen noch ein, das macht es dem Betrachter schwer das Material zu erkennen. Generell lässt der Künstler fiel Platz zum Interpretieren, er erklärt: „Ich gebe lediglich Hinweise zum Erkennen der Gegenstände:“ Um zu seiner ganz eigenen Darstellung von mehr oder weniger Alltäglichen zu gelangen fotografiert Roese Gegenstände, manchmal auch Personen. Die Fotografien betrachtet er dann mit dem „Blick des Außerirdischen“, ganz so als wäre das Dargestellte und der Sinn völlig fremd für ihn. Momentan arbeitet er an einer Ausstellung über Alltagsgegenstände die der Designer Wilhelm Wagenfeld in den 1950ern und 60ern erschuf. Das was dabei entsteht sind dann entweder Fotoplastiken im dreidimensionalen oder „Layer-Sculptures“, die wie ein Foto oder Gemälde wirken. Wichtig ist es für den Bildhauer dabei den Schatten mit einzubauen, ganz so als hätte dieser eine feste Gestalt. Über seine Sicht der Dinge sagt er selbst: „Bei mir ist im Gehirn was verstellt.“ Der Schatten bekommt bei ihm eine feste Darstellung und ist das Thema was sich durch seine 30 jährige Beziehung mit der Kunst hindurch zieht. Dadurch verändert sich seine Darstellung von verschiedenen Dingen enorm, die der Betrachter zurücksetzen muss. Doch Roese ist kein Bildhauer im klassischen Sinne, seine Portraitbüsten erinnern noch am stärksten an das alte Handwerk, wobei die menschlichen Darstellungen mit Absicht durch den polierten Aluguss künstlich wirken sollen. Durch wechselnde Lichteinfälle verändern die verschiedenen Werke von Gerhard Roese immer wieder ihr Erscheinungsbild und werden zur Momentaufnahme.